Weltkulturerbe in Mitteldeutschland entdecken mit „Steimles Welt“ (Rezension)

Sprache ist lebendig und wer Schriftsteller werden will, der muss Sprache lieben und gebrauchen, also schreiben, sprechen und natürlich lesen. Was Letzteres anbelangt, scheiden sich jedoch die kreativen Geister. Zu viel Lesen ist genauso schädlich wie Gar-Nicht-Lesen. Die Gefahr der Plagiate ist hoch oder dass man seinen eigenen Stil in den Büchern von anderen verliert. Umgekehrt kann die Sprache aber auch verarmen, wenn man sich vor den Werken anderer verschließt. So kommt es, dass ich besonders gerne Bücher lese, die von meinem Schreibstil in relativer Entfernung liegen. Auf diese Weise habe ich die Gelegenheit, neue Anreize in mich aufzunehmen, vielleicht sogar neue Vokabeln mitzunehmen. Komplett kopieren würde ich aber nichts, weil ich’s am Ende doch anders sagen würde. Ein solcher Autor, der meinen eigenen Stift in Wallung zu bringen scheint und bei mir das „Synapsieren“ in Gang setzt, ist Uwe Steimle.

Obwohl Uwe Steimle den wenigsten zuerst als Autor in den Sinn kommt (und schenkt man einigen Amazon-Bewertungen Glauben, sollte er es auch lieber sein lassen), ist doch Uwe Steimle in erster Linie Schauspieler und Kabarettist. Bei mir ist Uwe Steimle wohlverdientermaßen Multi-Talent: AutorSchauspielerKabarettistUndWeltverbessererMitHerz. Man merkt es, ich schätze den Herrn Steimle. Allein für den Titel seines vorletzten Buches, das ich auch gelesen habe, verdient der Mann doch einen Preis. „Meine Oma, Marx und Jesus Christus“, das haut Uwe Steimle selbstverständlich in eine Zeile. Erfrischend ist das.

Heute soll es aber um sein neues Buch gehen, das Uwe Steimle, anders als das Cover erahnen lässt, übrigens nicht im Alleingang geschrieben hat. Vielmehr ist es das Werk eines kleinen Männerkollektivs. Michael Seidel und Peter Ufer haben ihre eigenen Texten zu „Steimles Welt“ beigesteuert. Trotzdem ist ein anregendes Gesamtkunstwerk entstanden, das sich sehen, äh, lesen lassen kann.

Wer die MDR-Sendung gesehen hat, darf von dem Buch keine neuen Schauplätze oder Stationen von Uwe Steimles Reise durch Mitteldeutschland mit dem Wartburg erwarten. Die Karte im Schutzumschlag zeichnet den roten Faden des Buches vor. Trotzdem gibt es im Buch doch Neues zu entdecken. Schließlich erzählt ein Buch ganz anders als eine Fernsehsendung. Der Leser erhält die Möglichkeit gewissermaßen in Uwe Steimle reinzuschauen. Nein, kein Röntgen. Innensicht der Dinge. Was geht Uwe Steimle & Genossen so durch den Kopf, wenn sie in der Jesusbäckerei Station machen, sich auf die Suche nach der Vierfruchtmarmelade begeben und am Ende auf dem Friedhof landen? Darum geht’s und das schätzen Steimle-Fans doch am meisten: (N)ostalgische Anflüge und Uwe Steimles kritischer Blick auf die Welt, aber stets mit einer Prise Hoffnung. Was soll so einen waschechten Dresdner denn auch umhauen? Einen, der schon zwei Währungswechsel mitgemacht hat – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste ansteht. Mit viel Herz und Verstand entführt uns Uwe Steimle in seine Heimat und übrigens auch in meine. Über 25 Jahre nach der „Kehre“ ist der Osten wieder in. Ewig unterschätzt ist der und gemütlich ist es da. Im Osten geht die Sonne auf und da gibt es so Worte wie Muschebubu. Uwe Steimle ist ein sehr persönlicher, unverfälschter (authentisch würde man heute sagen) Reiseführer gelungen, der die Menschen zeigt, bei dem, was sie lieben und machen und was sie ausmacht. Der Mensch ist wahrlich Uwe Steimles Kirche.

Tipp: Niemand sollte sich das Interview am Ende des Buches entgehen lassen. In „Hungrig im Herzen bleiben“ erklärt Uwe Steimle seine Sicht auf die Welt – Steimles Welt eben. Es geht um „Hätsch-Fonds“ und darum, dass die Welt nicht mehr zu retten ist – oder doch?

Wäre die Erde eine Bank, sie wäre längst gerettet.

Ich habe das Buch von vorne bis hinten, von der ersten bis zur letzten Zeile sehr genossen. Den Leuten, die Uwe Steimle als AfD-Verteidiger (was tatsächlich eine Beleidigung darstellt) und Putin-Versteher (was als Kompliment zu verstehen ist) verunglimpfen, mag es anders ergehen. Die kaufen sicherlich auch das Buch nicht. Tja, hätten sie’s gelesen, könnten sie auch nicht so daherreden.

Zusammenfassung

  • Buch zur Fernsendung „Steimles Welt“
  • der etwas andere Reiseführer
  • unterwegs auf den Nebenstraßen der Welt
  • persönliche, anregende und (n)ostalgische Geschichten aus Mitteldeutschland
  • empf. VK-Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A], 26,90 [CH]
  • erschienen im Gütersloher Verlagshaus, 29.06.2015
  • gebundenes Buch mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-579-06599-1

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Ich bedanke mich beim Gütersloher Verlagshaus für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

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