Seine Zielgruppe abholen (Rezension)

We write not only for the children but also for their parents. They, too, are serious children. – Isaac Bashevis Singer

Bei Kinderbüchern schreibt man stets für zwei Leser. Das ist stets die Schwierigkeit für all jene, die Kinderbücher schreiben möchten. Schließlich muss sowohl das kindliche, als auch das erwachsene Lesepublikum angesprochen werden. Die Geschichte sollte daher zwei Erzählebenen oder zumindest zwei Interpretationsebenen bieten. Dass das stimmt, bemerkt jeder, der selbst einmal Kind war und als Erwachsener wieder in seine Lieblingskinderbücher schaut, vielleicht um sie den eigenen Kindern vorzulesen.

Mein liebstes Kinderbuch war und ist bis heute Janoschs „Ich mach dich gesund, sagte der Bär: Die Geschichte, wie der kleine Tiger einmal krank war“. Viele Details, über die man als Erwachsener schmunzelt, sind mir als Kind gar nicht aufgefallen. Zum Beispiel war mir als kleines Kind der Gänsewein von Tante Gans nie aufgefallen. Das war für mich irgendein Saft gewesen. Ich wusste ja gar nicht, was Wein ist. Genauso wenig Aufmerksamkeit habe ich den technischen Details des Krankenhauses gewidmet. Dort wird der kleine Tiger in eine Box gestellt und mit einer riesigen Lampe „durchleuchtet“. Ob Röntgen nun wirklich so funktioniert, war mir doch egal. Wichtig war mir die eindeutige Diagnose „Streifen verrutscht“.

Und so ist es doch bis heute. Kinder picken mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit Details aus der Geschichte als Eltern. Was am Ende bei jedem im Gedächtnis bleibt, kann sehr unterschiedlich sein. Umso wichtiger ist es, sein Publikum dort abzuholen, wo es steht: Kinder in der kindlichen Wirklichkeit und Eltern in der Welt der Erwachsenen, nur so wird die Geschichte Wirkung hinterlassen.

Wer immer noch nicht genau weiß, was ich meine, muss unbedingt einen Blick in das Buch „Von Süßigkeiten bekommt man Karisma: O-Töne aus dem Kinderzimmer“von Ralf Heimann werfen.

Basierend auf der Facebook-Seite „O-Töne aus dem Kinderzimmer“ wurden in diesem Buch die besten Versprecher von Kindern zusammengetragen. Die superwitzige Sprüchesammlung gibt nicht nur einen Einblick in den Eltern-Kind-Alltag, sondern zeigt auch, wie so manche Kids ticken. Schließlich sagt ein Verhörer oder Versprecher jede Menge aus. Aber macht Euch doch anhand dieser Beispiele selbst ein Bild:

Max (9) über die Figur seines Vaters: „Der Papa hat ein Sixpack aus Pudding und Speck.“

oder

Im Fernsehen läuft eine Kochsendung. Der Koch greift nach ein paar Rosmarinzweigen. Sohn (5): „Mama, warum tut der den Weihnachtsbaum da rein?“

oder

Der Sohn (4) singt das Pitsch-Patsch-Pinguin-Lied. Oma: „Kannst Du das Lied aus dem Kopf?“ „Sohn: „Nee, aus dem Kindergarten.“

Das nächste Mal, wenn Du in die Lebensrealität eines Kindes abtauchen willst und nicht recht den Eingang findest, schnapp Dir einfach Ralf Heimanns Buch und lass Dich inspirieren. Im Nu sprudeln die kindgerechten Ideen, die auch Erwachsene zum Schmunzeln bringen werden – versprochen.

Zusammenfassung

Ich bedanke mich beim Blanvalet-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

 

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