Figurensteckbriefe – Autorenwahnsinn

Obwohl ich momentan an einem Sachbuch sitze, schließt das natürlich das Schreiben von Erzählliteratur nicht aus. Neben mehreren fertigen Kinderbüchern, die auf Veröffentlichung warten, befindet sich in meiner Schublade ein heranwachsender Roman. Um den Überblick über die einzelnen Figuren zu behalten, bekommt jeder Charakter einen eigenen Steckbrief.

Figurensteckbrief

Wie sieht so ein Steckbrief aus? Auf einer Seite versammle ich ein paar Fakten in Stichpunkten zum Aussehen und anderen Personendaten (Größe, Augenfarbe, Haarfarbe [wenn vorhanden], Herkunft, Sprache/Dialekt,Verwandtschaft/Freundschaft zu anderen Figuren, etc.).

Bei Bedarf wird das Ganze mit einer Illustration, einem Zeitungsausschnitt, einem Foto oder mehreren als Vorlage versehen.

Zusätzlich gibt es zwei „Top 10“-Listen mit einerseits Dingen, welche die Figur mag und andererseits Dingen, die sie verabscheut. Man muss sich hier nicht zwingen, wirklich immer zehn Fakten zusammenzutragen. Vor allem zu Beginn darf hier einiges ausgespart werden, das später noch ergänzt wird.

Ganz unten ist Platz für weitere Anmerkungen wie besondere Eigenheiten.

So ist eine A4-Seite schnell gefüllt. Trotzdem habe ich alle wesentlichen Fakten auf einen Blick parat. Alles, was mir sonst noch einfällt, kommt in die „Akte“.

Die Akte: Figurenmappe

Weil sich natürlich niemand auf einer Seite zur Zufriedenheit beschreiben lässt, lege ich zusätzlich zu diesem Steckbrief, der quasi als Deckblatt fungiert, eine Akte an. In diese Akte oder Figurenmappe wandern lose Zettel, mit allem, was mir zur Figur als wichtig erscheint. Schließlich entwickelt sich eine Figur im Laufe des Schreibprozesses, so dass immer etwas dazukommt.

Auch der Steckbrief muss vor Schreibbeginn nicht vollständig ausgefüllt sein. Das würde mich auch zu sehr blockieren. Ich würde anfangen, mich auf bestimmte Eigenschaften zu stürzen und von der eigentliche Geschichte abkommen.

Was machen mit Steckbrief und Akte?

Ziel dieser Figurenbeschreibung ist es, seine Charaktere in- und auswändig zu kennen. Oder wie ich einmal bei einem Schreibworkshop gelernt habe: Man muss mit seinen Figuren Kaffee trinken gehen können. Sie müssen plastisch werden, echt und anschaulich. Richtige, authentische Persönlichkeiten zum Anfassen. Wenn mich nachts jemand weckte, müsste ich fähig sein, ohne große Überlegung, meine Figuren vorzustellen.

Im Buch müssen am Ende durchaus nicht alle Fakten aus Akte und Steckbrief landen. Im Gegenteil, wie im echten Leben auch, sorgt etwas Geheimniskrämerei auch für Spannung. Der Leser muss nicht immer alles wissen, ich aber schon, sonst wird meine Figur wässrig, durchlässig und entwickelt am Ende wahrscheinlich eine Reihe von ungewollten Widersprüchen.

In erster Linie ist so eine Übersicht natürlich wichtig, um nicht plötzlich der brünetten Hauptfigur eine blonde Mähne zu verpassen oder sonstige Flüchtigkeitsfehler zu begehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s