Hierzu werde ich nicht länger schweigen

Seit 2011 macht der Syrienkonflikt oder -krieg die Nachrichten. Was täglich durch die Nachrichtenkanäle geschickt wird, macht betroffen und wirkt beängstigend. Anfangs hörten und lasen wir immer wieder von Fassbomben, die der Diktator auf seine eigene Bevölkerung werfe und von chemischen Waffen.

Das Aufregen war groß, doch schon bald meldeten sich auch andere Nachrichten zu Wort. Aufgrund seiner großen Reichweite gelangte hierbei zunächst der englischsprachige Sender Russia Today ins Visier der Kritik (mittlerweile auch mit deutschsprachigem Outlet), denn was hier kam, war ein Angriff auf vieles bisher Gehörte und Gelesene. Und das war natürlich unerhört.

Heute ist die Rede von Fake News und Falschmeldungen, die der „staatlich finanzierte“ oder „staatlich geförderte“ Sender RT verbreite. Bezieht man sich hingegen auf den ORF oder ARD, lese ich nie den Hinweis „staatlich geförderter Sender“. Das ist doch schon verwunderlich, aber heißt ja noch nichts. Fakt ist jedoch, dass RT kein Hehl darum macht, dass er staatlich gefördert wird. Ist ja auch nicht verboten. Immer wieder unterbreiten mir Sender wie der ORF oder das Magazin Spiegel „Faktenchecks“ zu verschiedenen Themen, die RT oder andere alternative Medien wie Press TV (Iran), Telesur (Lateinamerika/Venezuela), Truthdig, etc. berichtet haben.

Schauen wir uns also mal das Thema der chemischen Waffen an und nutzen am besten eine Quelle abseits von RT, um mir den Vorwurf der Voreingenommenheit oder Einseitigkeit zu ersparen.

Chemische Waffen und Syrienkrieg

2013 berichtete die Washington Times, das konservative Pendant zur liberalen Washington Post, dass wahrscheinlich Rebellen und nicht Assad chemische Waffen benutzt haben und berufen sich dabei auf eine UN-Quelle. Das Gleiche berichtet der britische Telegraph.

2013 war das Jahr, in dem ich begann, mich an ähnliche Vorwürfe gegenüber dem damaligen Diktator Saddam Hussein im Irak zu erinnern. Nicht chemische Waffen, sondern vor allem Massenvernichtungswaffen – das war damals das Wort in aller Munde. Dass Hussein Massenvernichtungswaffen besessen hat, war bekannt, verschiedene Länder hatten selbige in der Vergangenheit geliefert. Schließlich sollte der Irak als Bollwerk gegen den Iran dienen und gleichzeitig die damalige Sowjetunion aus Nahost fernhalten. Es ging bereits damals, darum Ölquellen zu sichern. Und mit „damals“ sind die frühen 90er und späten 80er Jahre gemeint.

Denn als Husseins Coup-Versuch im Iran fehlgeschlagen ist, hat er sich kurzerhand Kuwait zugewandt. Die US-Regierung war jedoch auf ein stabiles Kuwait angewiesen (Öl) und war mit der Aktion nicht einverstanden. Der erste Irak-Krieg wurde von George H. W. Bush, dem Vater von George W. Bush, gestartet. Einen humorvoller Blick auf diesen ersten großen Konflikt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es hier:

Am Ende des ersten Golfkriegs blieb Hussein – geschwächt – an der Macht. Doch der Krieg war damit nicht zuende. Wirtschaftssanktionen, die unter anderem auch die Einfuhr wichtiger Medikamente, verhinderten, forderten hunderttausende Opfer im Irak, darunter viele Kinder. Das berichtet 1995 die New York Times mit Berufung auf UN-Quellen.

Nach dem 11. September 2001 drohte dem Irak jedoch ein weiterer Krieg, zunächst war jedoch Afghanistan dran und das obwohl 15 der 19 Männer, die damals die Flugzeuge entführt hatten, aus Saudi-Arabien stammten, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer aus Ägypten und einer aus dem Libanon. Grund für den Irak-Krieg waren am Ende Massenvernichtungswaffen.

Die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, wie wir heute wissen und – wie die Bush-Regierung auch zugegeben hat. Trotzdem kommen auch Jahre später zuweilen Diskussionen auf. Es ist dann nur noch traurig, wenn ausgerechnet Partei-Kollege Donald Trump, darauf hinweisen muss, dass dem nicht so ist. Mehr dazu in der Huffington Post.

Bis heute sind offenbar wichtige Seiten des 9/11-Reports klassifiziert und weiterhin für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Frage, die allen unter den Nägeln brennt, ist: Hat die königliche Familie Saudi-Arabiens (hier lesen wir nie „Diktator“, doch das nur am Rande) die Flugzeugentführer unterstützt? Wenn dem so wäre, gäbe es eine direkte staatliche Verbindung zur Terroristengruppe Al-Qaida. Und schlimmer noch: War es nicht vielleicht von langer Sicht geplant, den Irak (und auch Syrien anzugreifen)?

Was hat das mit Syrien zu tun?

Während der Syrienkrieg oftmals als Religionskonflikt oder als Revolution einer aufbegehrenden Bevölkerung berichtet wird, schreiben andere Medien vom Stellvertreterkrieg (wie damals) zwischen den USA und Russland unter Beteiligung verschiedener Partner. Auf US-amerikanischer Seite sind da die NATO-Mitgliedsstaaten, aber vor allem britische, deutsche, französische, türkische sowie saudische und arabische Beteiligung, welche wiederum die Freie Syrische Armee und andere sogenannte Rebellen unterstützen (finanziell und/oder mit Waffen). Das lässt sich auch ganz frei und offen selbst auf Wikipedia nachlesen – genauso wie die Verbindungen zwischen Freier Syrischer Armee, Al-Qaida, al-Nusra und dem Islamischen Staat, gegen den die USA ja vorgeben zu kämpfen. Priorität hat jedoch stets das Abdanken Assads gehabt.

Auf der anderen Seite stehen die Russische Föderation, Syrien, Iran und seit neuestem auch die Türkei, die quasi die Seiten gewechselt hat. Unterstützt wird die russische Intervention von Serbien und Armenien.

Explodiert ist der Konflikt mit dem US-geführten Angriff auf Syrische Regierungstruppen, was zu einer Notfallsitzung im UN Security Council geführt hat.

Während Syrien kaum nennenswerte Ölquellen besitzt, ist das Land dennoch öltechnisch relevant. Und hier kommen wir nun also ganz zum Anfang zurück. 2009 verneinte Assad den Vorschlag eine Pipeline von Qatar durch das Land bauen zu lassen. Stattdessen sind nun neue Pläne auf dem Tisch, die vom Iran, Russland und anderen Ländern unterstützt werden, jedoch die königlichen Interessen unter anderem auch der Saudis massiv stören könnten. Mehr dazu hier. Daneben sind es nicht nur die Erdölquellen an sich, die in Nahost und Nordafrika gesichert werden sollen, sondern auch die Leitwährung Dollar. Nach wie vor wird Öl in Dollar gehandelt. Recht ausführlich wird das in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten beschrieben. Auch Gaddafi stellte die Vormachtstellung des Dollars als Leitwährung infrage. Laut öffentlich gewordenen, internen E-Mails zwischen Hillary Clinton und Sid Blumenthal plante Gaddafi eine panafrikanische Währung, die auf der libyschen Währung basieren sollte, diese wiederum sollte an den Gold-Standard geknüpft sein. Der Dollar hingegen ist seit 1973 nicht an einen solchen Realwert (Gold oder Silber) gebunden. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von „flexiblen Wechselkursen“, die wiederum nur dadurch halbwegs stabil bleiben, weil die entsprechende Weltmacht mit allen Mitteln an verschiedenen Stellschrauben dreht – und wehe, jemand stellt dieses Währungsmonopol infrage. Elmar Altvater schreibt hierzu in „Die Weltwährungskrise“ bereits 1969:

Während das Gold aufgrund der in ihm verkörperten Arbeit, d.h. aufgrund seines Eigenwertes, unabhängig von staatlicher Manipulation Weltgeld ist, sobald es als Zahlungsmittel benutzt wird, kann nationales Kreditgeld nur dadurch zu internationalem Geld werden, daß einerseits der entsprechende Nationalstaat durch seine ökonomische und politische Macht seine Währung als Weltgeld erzeugt, indem er sie exportiert und sie durch die Konvertibilitätsbestimmung garantiert und andererseits vom privaten Waren- und Kapitalverkehr der anderen Nationalstaaten die Währung als Weltgeld anerkannt wird, bzw. die Anerkennung durch koloniale Abhängigkeitsverhältnisse erzwungen wird.

Leiden müssen vor dem Hintergrund dieser Währungs-Energie-Krisen-Kriege Zivilisten – im Irak, in Syrien und im Jemen. Vor allem der Krieg im Jemen ist derzeit erschreckend unterberichtet, nicht zuletzt weil kaum Journalisten in das Land gelangen. Schuld an den Kriegen sind die Profitinteressen großer internationaler Unternehmen in der Öl- und Waffenindustrie, die hier politisiert werden. Doch bekommen wir diese Tour d’Horizon so in den alltäglichen Medien präsentiert? Nein. Hin und wieder, ja. Aber dann werden solche Ausnahmeartikel überschattet von Jubelhymnen wie diesen:

Netflix’s „The White Helmets“ takes home the company’s first Oscar win

Syria’s White Helmets Didn’t Get the Nobel. But Their Rescue Work Continues

Völlig unkritisch wird diese selbsternannte, nur scheinbar unparteiische Hilfsorganisation gefeiert, kein Wort davon, wer diese Organisation zu einem Großteil finanziert und dass offenbar Verbindungen zu Al-Qaida und Jabhat al-Nusra bestehen. Das erfahren wir eben doch nur in den alternativen Medien.

 

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