Nebulös? Der Mystery Blogger Award

Mit freudigem Erstaunen stolperte ich kürzlich über die Nominierung zum Mystery Blogger Award von Sophie. Verliehen wird dieser Preis jedoch nicht in erster Linie an Mystiker, Seher oder Alchemisten (obwohl?), sondern an noch geheimnisvoll in den Untiefen des World Wide Web verborgene Blogs, die es jedoch trotz mangelnder Bekanntheit aufgrund fulminanten Inhalts durchaus zu entdecken gilt. Die rätselhafte Initiatorin hinter dem Award ist offenbar eine Bloggerin mit dem bezeichnenden Namen Okoto Enigma.

Mit Sophie vom Philosophietaxi teile ich das konfuse Blogkonzept „Schreiben über Gott und die Welt und was uns sonst so bewegt“. Außerdem verspüren wir beide eine gewisse Abneigung gegen Auf-Druckknopf-Arbeiten. Trotzdem hat sie mit Bravour die Fragen von quergetippt aus dem Stegreif beantwortet. Na, mal sehen, ob mir das mit ihren Fragen auch gelingt.

  • Welche Musik macht Dich glücklich?

Das ist ganz schwer stimmungsabhängig. Die Evergreens der 70er, 80er, 90er (oh, wie langweilig!) sind ein guter Ausgangspunkt.

Daneben dröhnen mitunter auch zeitgenössisch-elektrische Beats aus den Lautsprechern, säuseln Singer-songwriter ihre Lieder, wummern die Akkorde von Indie-Rock-Bands im Resonanzkörper meiner Anlage oder spulen versierte Lyricists der Sparte Hip Hop ihre Reime zu melodischen Samples ab. Ach ja, und manchmal mag ich klassische Musik – Tschaikowsky, Grieg, Dvorak … Mit einem Wort: querbeet – das ist die Musik, die mich glücklich macht.

  • Was gibt Dir Hoffnung?

Die Vorstellung von einem höheren Wesen, Geist, Karma, Gott … gibt mir Hoffnung. Die Quantentheorie macht’s möglich!

Doch ist die Hoffnung stets von guter Qualität? Kann sie uns nicht auch in einer naiven Gedankenspirale fesseln? Antike Philosophen und Geschichtenerzähler haben uns das Ganze in Mythen verpackt. Sie erzählen von Prometheus, der den Menschen das zuvor vom Göttervater Zeus entwendete Feuer gebracht hat. Zur Strafe schenkt Zeus den Menschen Pandora mitsamt ihrer unheilvollen Büchse, in der auch die Hoffnung schlummert – laut Nietzsche das schlimmste aller Übel, weil die Hoffnung uns auch die furchtbarsten Qualen ertragen lässt; in der Hoffnung, es könnte besser werden, was sich jedoch nicht unbedingt bewahrheiten muss.

  • Wer oder was bist Du in Deinen Tagträumen?

Ich oder eine andere? Nein, tatsächlich wechsle ich nicht die Haut, in der ich stecke. Jedoch male ich mir in Tagträumen gerne Szenarien aus, was sein könnte, wird oder wie es einmal war …

  • Wenn Du eine Jahreszeit wärst, welche wäre es?

Klarer Fall: der Herbst. Im goldenen Glanz feuchter Laubhaufen, die schon bald unter einer dicken Schneedecke in tiefen Winterschlaf fallen, um in neuer Form als sich aus dem Boden reckende Frühblüher zu erwachen, fühle ich mich zu Hause. Und dann: Kroküsse.

  • Welche Frage stellst Du Dir selber oft?

Wie es wohl weitergehen wird?

Tja, wie? Zumindest in diesem Beitrag mit meinen Nominierungen für den Mystery Blogger Award:

  1. manchmal Lyrik …
  2. transitnuremberg
  3. Die Schreibmaschinisten
  4. Wortinseln
  5. Chèle Deni

Sowie mit den folgenden Fragen, zu deren Beantwortung die nominierten Blogger*innen herzlich eingeladen sind:

  1. Was inspiriert Dich?
  2. Was wolltest Du als Kind werden?
  3. Was erfüllt Dich mit Stolz?
  4. Was möchtest Du nicht missen und warum?
  5. Welche Farbe trüge Deine Seele?

 

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Ab nach draußen: Das Medienstipendium der Nationalparks Austria

Vitamin D ist wichtig für Zähne, Knochen und das Immunsystem. Bei guter Sauerstoffversorgung kann man besser denken. Damit hätten wir gleich ein paar gute Gründe genannt, öfter mal den Schreibtisch zu verlassen und an die frische Luft zu gehen. Doch im Großstadtdschungel macht spazierengehen nicht immer Spaß. Was fehlt, ist das satte, inspirierende Grün unberührter Natur!

Wie gut, dass die österreichischen Nationalparks bereits zum dritten Mal ein Medienstipendium für junge Autoren, Journalisten und Videokünstler vergeben. Zwei Wochen lang darfst Du einen Nationalpark unsicher machen. Das Stipendium inkludiert Unterbringung und Verpflegung sowie eine geführte Wanderung mit einem Ranger, der auf die Besonderheiten des jeweiligen Nationalparks aufmerksam macht.

Na dann, ab nach draußen!

Bewerben kannst Du Dich noch bis 31. März. Hier geht’s zur Ausschreibung.

 

Lese-Fortschritt-Widget für WordPress

Im Moment lese ich gerade Fjodor Dostojewskis 574 Seiten schweres Buch „A Writer’s Diary“. Meinen Lesefortschritt könnt Ihr ganz unten auf der Seite anhand des Widgets mitverfolgen. LovelyBooks und andere Leseplattformen bieten solche Widgets an – leider jedoch im Javascript, wodurch sie nicht für kostenlose WordPress-Accounts genutzt werden können.

Doch das Ganze geht auch in HTML und zwar so (die fett markierten Stellen bitte selbstständig „füttern“):

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Diesen Code gibst Du in ein „Text“-Widget ein und füllst die entsprechenden Stellen. Das Feld „Platz für Eindrücke“ kann auch leer bleiben, wenn Du noch kein Urteil über das Buch fällen möchtest. Hier ist mein aktuelles Widget:

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(gefunden beim Pusteblume-Blog)

Weltkulturerbe in Mitteldeutschland entdecken mit „Steimles Welt“ (Rezension)

Sprache ist lebendig und wer Schriftsteller werden will, der muss Sprache lieben und gebrauchen, also schreiben, sprechen und natürlich lesen. Was Letzteres anbelangt, scheiden sich jedoch die kreativen Geister. Zu viel Lesen ist genauso schädlich wie Gar-Nicht-Lesen. Die Gefahr der Plagiate ist hoch oder dass man seinen eigenen Stil in den Büchern von anderen verliert. Umgekehrt kann die Sprache aber auch verarmen, wenn man sich vor den Werken anderer verschließt. So kommt es, dass ich besonders gerne Bücher lese, die von meinem Schreibstil in relativer Entfernung liegen. Auf diese Weise habe ich die Gelegenheit, neue Anreize in mich aufzunehmen, vielleicht sogar neue Vokabeln mitzunehmen. Komplett kopieren würde ich aber nichts, weil ich’s am Ende doch anders sagen würde. Ein solcher Autor, der meinen eigenen Stift in Wallung zu bringen scheint und bei mir das „Synapsieren“ in Gang setzt, ist Uwe Steimle.

Obwohl Uwe Steimle den wenigsten zuerst als Autor in den Sinn kommt (und schenkt man einigen Amazon-Bewertungen Glauben, sollte er es auch lieber sein lassen), ist doch Uwe Steimle in erster Linie Schauspieler und Kabarettist. Bei mir ist Uwe Steimle wohlverdientermaßen Multi-Talent: AutorSchauspielerKabarettistUndWeltverbessererMitHerz. Man merkt es, ich schätze den Herrn Steimle. Allein für den Titel seines vorletzten Buches, das ich auch gelesen habe, verdient der Mann doch einen Preis. „Meine Oma, Marx und Jesus Christus“, das haut Uwe Steimle selbstverständlich in eine Zeile. Erfrischend ist das.

Heute soll es aber um sein neues Buch gehen, das Uwe Steimle, anders als das Cover erahnen lässt, übrigens nicht im Alleingang geschrieben hat. Vielmehr ist es das Werk eines kleinen Männerkollektivs. Michael Seidel und Peter Ufer haben ihre eigenen Texten zu „Steimles Welt“ beigesteuert. Trotzdem ist ein anregendes Gesamtkunstwerk entstanden, das sich sehen, äh, lesen lassen kann.

Wer die MDR-Sendung gesehen hat, darf von dem Buch keine neuen Schauplätze oder Stationen von Uwe Steimles Reise durch Mitteldeutschland mit dem Wartburg erwarten. Die Karte im Schutzumschlag zeichnet den roten Faden des Buches vor. Trotzdem gibt es im Buch doch Neues zu entdecken. Schließlich erzählt ein Buch ganz anders als eine Fernsehsendung. Der Leser erhält die Möglichkeit gewissermaßen in Uwe Steimle reinzuschauen. Nein, kein Röntgen. Innensicht der Dinge. Was geht Uwe Steimle & Genossen so durch den Kopf, wenn sie in der Jesusbäckerei Station machen, sich auf die Suche nach der Vierfruchtmarmelade begeben und am Ende auf dem Friedhof landen? Darum geht’s und das schätzen Steimle-Fans doch am meisten: (N)ostalgische Anflüge und Uwe Steimles kritischer Blick auf die Welt, aber stets mit einer Prise Hoffnung. Was soll so einen waschechten Dresdner denn auch umhauen? Einen, der schon zwei Währungswechsel mitgemacht hat – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste ansteht. Mit viel Herz und Verstand entführt uns Uwe Steimle in seine Heimat und übrigens auch in meine. Über 25 Jahre nach der „Kehre“ ist der Osten wieder in. Ewig unterschätzt ist der und gemütlich ist es da. Im Osten geht die Sonne auf und da gibt es so Worte wie Muschebubu. Uwe Steimle ist ein sehr persönlicher, unverfälschter (authentisch würde man heute sagen) Reiseführer gelungen, der die Menschen zeigt, bei dem, was sie lieben und machen und was sie ausmacht. Der Mensch ist wahrlich Uwe Steimles Kirche.

Tipp: Niemand sollte sich das Interview am Ende des Buches entgehen lassen. In „Hungrig im Herzen bleiben“ erklärt Uwe Steimle seine Sicht auf die Welt – Steimles Welt eben. Es geht um „Hätsch-Fonds“ und darum, dass die Welt nicht mehr zu retten ist – oder doch?

Wäre die Erde eine Bank, sie wäre längst gerettet.

Ich habe das Buch von vorne bis hinten, von der ersten bis zur letzten Zeile sehr genossen. Den Leuten, die Uwe Steimle als AfD-Verteidiger (was tatsächlich eine Beleidigung darstellt) und Putin-Versteher (was als Kompliment zu verstehen ist) verunglimpfen, mag es anders ergehen. Die kaufen sicherlich auch das Buch nicht. Tja, hätten sie’s gelesen, könnten sie auch nicht so daherreden.

Zusammenfassung

  • Buch zur Fernsendung „Steimles Welt“
  • der etwas andere Reiseführer
  • unterwegs auf den Nebenstraßen der Welt
  • persönliche, anregende und (n)ostalgische Geschichten aus Mitteldeutschland
  • empf. VK-Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A], 26,90 [CH]
  • erschienen im Gütersloher Verlagshaus, 29.06.2015
  • gebundenes Buch mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-579-06599-1

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Ich bedanke mich beim Gütersloher Verlagshaus für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.