Kann man (Jugendlichen) heute noch Krieg erklären?

Krieg – das ist ein Thema, das für uns hier (zum Glück) entweder weit weg oder sehr verstaubt klingt. In Deutschland oder Österreich sind wir zumindest nicht vor Ort in der eigenen Heimat in bewaffnete Konflikte verwickelt. Kein Bombenhagel in Berlin, kein Maschinengewehrfeuer in Wien. Dabei tobte noch vor nicht einmal 30 Jahren in nicht allzu großer Entfernung Krieg – inmitten von Europa: Das zerfallende Jugoslawien stand in Flammen und mit dabei? Zahlreiche NATO-Staaten unter US-amerikanischer Führung.

Und heute?

Seit Barack Obama noch 2008 versprach die Truppen aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen und für sein Versprechen von einer atomwaffenfreien Welt den Friedensnobelpreis einsackte, hat der ehemalige US-Präsident Luftangriffe bzw. anderweitige Militärinterventionen in sieben Ländern initiiert:

  • Afghanistan
  • Syrien
  • Irak
  • Libyen
  • Jemen
  • Somalia
  • Pakistan

Die Friedensnobelpreisdrohne war auch die, welche mehr Menschen deportiert hat als alle US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts zusammen. Und doch kommt er gegenüber dem neuen US-Präsidenten, der gerade nicht einmal 100 Tage im Amt ist, mit einem besseren Image davon. Aber er hatte ja bereits 2008 noch einen weiteren Preis abgeräumt, den AOL-gesponserten Marketing-Preis von Advertising Age. Und so ist es heute weniger Propaganda, als gut gemachte PR, hervorragendes Marketing, welches nicht nur das Kaufverhalten, sondern vor allem das Denkverhalten lenken soll. Begriffe werden auf geradezu orwellsche Weise verzerrt: Stabilität wird Destabilität. Frieden bedeutet Krieg. Moderate Rebellen sind in Wahrheit bewaffnete Terroristen und wer das sagt, sitzt den Fake News auf.

Tatsächlich bin ich nicht vor Ort in Syrien oder im Irak, doch die wenigsten, die mich als Lügner bezeichnen, sind dies ihrerseits gewesen. Im Gegensatz zu den meisten von ihnen nutze ich jedoch zu einem Großteil Quellen, die vor Ort waren oder sind, so wie die kanadische Journalistin Eva Bartlett oder der ehemalige CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer oder die RT-Korrespondentin Lizzie Phelan oder der australische Journalist und Filmemacher John Pilger. Wir sind auf solche Journalisten angewiesen, die uns durch ihre Kameralinse ein Fenster zur Welt öffnen. Ein Fenster zur Welt öffnen – das sollte auch gute Literatur.

Über Krieg reden

So habe ich mich gefreut, als ich vom Jugendbuch „Tausend Meilen über das Meer: Die Flucht des Karim Deeb“ erfahren habe. Das Jugendbuch für ein Publikum ab 12 Jahren versprach interessant zu werden, schließlich sollte das Schicksal der Bevölkerung – oder zumindest eines Jungen – in den Vordergrund gerückt werden. Vielleicht würden wir Fluchtbeweggründe, aber damit auch den Syrienkrieg besser verstehen. Also habe ich mir das Buch zur Rezension bestellt:

„Nach einer wahren Geschichte“ steht auf dem Buchrücken von Annabel Wahbas Jugendroman „Tausend Meilen über das Meer: Die Flucht des Karim Deeb“. Das Schlüsselwort ist „nach“. Denn während sich die Geschichte eingehend mit der Flucht eines syrischen Jungen aus Homs befassen möchte, sollte dem Leser klar sein, dass Karim, der in Wirklichkeit anders heißt, wie dem Nachwort zu entnehmen ist, das Buch nicht selbst geschrieben hat.

Verfasserin ist die ZEIT-Redakteurin Annabel Wahba, die Karim für das Buch interviewt hat. Karim lebt seit 2013 in Deutschland und ist über den Seeweg von Ägypten aus geflüchtet. Die beschwerliche Reise mit überfüllten Schiffen, zu wenig Essen und Trinken sowie gefährlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen wird im Buch ebenso beschrieben, wie der Eingewöhnungsprozess in Deutschland. Karim kann in Deutschland wieder zur Schule gehen und ist nicht ständig mit kriegerischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Dennoch ist sein Alltag nicht ohne Probleme. Eine Facebook-Nachricht, die ihm ein Mädchen mit einem Foto von sich mit nacktem Oberkörper geschickt hat, lässt Karim aufgrund zahlreicher Missverständnisse (er hätte das Bild in Umlauf gebracht), beinahe von der Schule fliegen. Dabei hat er Millie nie darum gebeten, das Foto zu machen, auf dem man zwar ihre Brüste, nicht aber ihr Gesicht sehen kann. Weitergeleitet hatte er es nur einer Klassenkameradin. Matija sollte ihm erklären, was die dazugehörige Nachricht „Ich will, dass du mir meine Unschuld nimmst“, zu bedeuten hätte. Danach hatte Karim das Bild sogleich gelöscht. Nicht, dass es noch sein strenger Onkel Amir finden würde! Offenbar hatte aber Matija, die Millie ohnehin nicht leiden kann, das Bild dann zirkulieren lassen.

Eigentlich mutet es seltsam an, dass Facebook Karim beinahe zum Verhängnis wird. Schließlich kennt er sich ganz gut mit dem sozialen Netzwerk aus:

In Palmyra verbrachte ich Stunden im Internetcafé, um Facebook-Seiten von Assad-Anhängern zu hacken. Sie verbreiteten falsche Nachrichten über die Lage in Homs und beleidigten die FSA [Freie Syrische Armee]. Ich habe diese Posts gelöscht oder die Seiten ganz geschlossen. Das Know-how dazu habe ich mir selber Stück für Stück im Internet beigebracht. Du musst als Hacker natürlich dafür sorgen, dass du nicht erwischt wirst. Ich legte mir für Facebook ein Pseudonym zu und veränderte mit ein paar Einstellungen am Rechner sowohl meine IP-Adresse als auch die Geräte-ID, sodass der Geheimdienst, der das syrische Netz überwacht, meinen Standort nicht ermitteln konnte.

Die Formulierung „nach einer wahren Geschichte“ ist eine juristische Absicherung der Autorin. Denn nicht alle im Buch vertretenen Charaktere (deren Namen auch geändert wurden), haben ihr Verständnis gegeben, darin vorzukommen. In einigen Fällen wäre es auch nur schwer oder gar unmöglich gewesen, dieses Einverständnis einzuholen. Freunde von Karim sind im Krieg  gestorben. Von anderen Bekannten und Verwandten ist nicht klar, wo sie sich aufhalten usw. Somit ist es für den Leser also unmöglich, das im Buch Geschriebene zu überprüfen. Es kann nur so, wie es niedergeschrieben wurde, hingenommen werden. Schließlich handelt es sich um einen Roman, der irgendwo zwischen Fiktion und Dokumentation anzusiedeln ist. Damit steht Karims Geschichte exemplarisch für einen syrischen Flüchtling. Uns wird erzählt, wie er die Geschehnisse in Syrien, Ägypten und schließlich in Deutschland wahrgenommen hat.

Frau Wahba hat sich bewusst dagegen entschieden, eine Dokumentation aus dem Buch zu machen. Als Leser sind wir daher aufgerufen, kritisch zu bleiben, bei allem Leid, dass Karim und anderen Flüchtlingen weltweit widerfahren ist und nach wie vor leider widerfährt – oder vielleicht gerade deswegen sollten wir kritisch bleiben. Schließlich tobt der Krieg in Syrien, aber auch in den nahe gelegenen Ländern Jemen, Irak, Libyen, Afghanistan etc. nach wie vor. Terrororganisationen haben bewusst Menschen nach Europa als „Flüchtlinge“ eingeschleust und damit das Leid der gebeutelten Bevölkerung für ihre Zwecke missbraucht. Der „Arabische Frühling“, ein Begriff, der zunehmende Proteste in einigen Ländern Nordafrikas und der arabischen Welt bezeichnet, ist vielerorts fehlgeschlagen. Was als Aufstand der Zivilbevölkerung gegen die Regierungen ihren Anfang nahm, kippte bald in militärische Auseinandersetzungen, die auch vor Einflussnahme von außen nicht geschützt waren. Hinzu kommen Hinweise, dass womöglich auch die Aufstände bereits von außen angestachelt wurden.

Annabel Wahba vermeidet jedoch bewusst, diese Kontexteinordnung ihrer Geschichte. Sie schaut nicht mit einem Weitwinkelobjektiv auf die Geschehnisse in Syrien (und anderen Ländern). Stattdessen bleibt es im Buch bei der Geschichte vom „syrischen Bürgerkrieg“, der auch im Buch vornehmlich als Kampf einer unterdrückten Bevölkerung gegen den „Diktator Baschar al-Assad“ porträtiert wird. Im Vordergrund stehen unterschiedliche Religionsgruppen (Sunniten/Wahabiten vs. Schiiten/Alawiten) – ein Glaubenskrieg. Nur am Rande wird Bezug genommen auf das „Aufbegehren“ in Libyen, auf die militärische Unterstützung von „Rebellen“ wie der Freien Syrischen Armee durch Saudi-Arabien. Dass Saudi-Arabien selbst alles andere als eine Demokratie ist, sondern im Gegenteil als Keimgrund für die extremistische Bewegung des Wahabismus gilt, wird dabei jedoch nicht erwähnt.

Annabel Wahba zieht es vor, eine sehr selektive Geschichte zu erzählen, die vieles auslässt bzw. im Ungewissen lässt und geht damit womöglich an dem selbst gesetzten Ziel „die Beweggründe für die Flucht“ verständlich zu machen und den Flüchtlingen „nahe zu kommen“ sowie „sich in ihre Lage zu versetzen“ vorbei.

So zeichnet das Buch ein Bild in Schwarz-Weiß: der Diktator Baschar al-Assad ist böse, die Rebellen – vor allem die Freie Syrische Armee – sind gut. Hinzu kommen die üblichen Klischees: Syrien ist ein muslimisches Land, die Frauen tragen alle Kopftücher und können großteils nicht schwimmen. Dabei ist Syrien ein säkulares Land, in dem es auch eine christliche Glaubensgemeinschaft gibt (auch in Karims Heimatstadt Homs). In Damaskus, der Hauptstadt, gibt es sogar Weihnachtsdörfer in der Adventszeit, die auch im letzten Jahr wieder die geschmückten Straßen zierten, nachdem es aufgrund des Kriegs im Land in den Jahren zuvor schwierig war, solche Feierlichkeiten einzurichten. Jedenfalls handelt es sich bei Syrien nicht um eine Theokratie per se (im Gegensatz etwa zum Königreich Saudi-Arabien). Der Diktator (dessen „Name nur heimlich ausgesprochen werden darf“) wurde im Jahr 2014 wiedergewählt und setzte sich dabei gegen eine Reihe von Kandidaten durch, während einige andere erst gar nicht zur Wahl standen. Die sogenannten Rebellen haben die Wahlen in den von ihnen kontrollierten Gebieten großteils boykottiert bzw. verhindert.

Die sogenannten Rebellen sind bewaffnete Gruppen und nicht einfach nur Oppositionsparteien. Sie werden sowohl von den USA, als auch von so „menschenfreundlichen“ Ländern wie Saudi-Arabien (hier lesen wir komischerweise nie „Diktatur“ oder „Gottesstaat“), mit Waffen, Munition und Söldnern versorgt. Von „moderat“, wie in vielen Medien zu lesen ist, kann also bei den Rebellen nicht die Rede sein. Stattdessen sind viele Mitglieder der Freien Syrischen Armee und anderen sogenannten Rebellengruppen zu ISIS bzw. Jabhat al-Nusra übergelaufen.

Doch von all dem erfahren wir im Buch nicht. Wir erfahren nicht, dass in Syrien weit mehr als „nur“ ein Bürgerkrieg tobt. Stattdessen will man uns weismachen, dass sich die Menschen in Libyen „wehren“. Seit das Land 2011 in einer US-amerikanischen angeführten Militäraktion unter anderem auch von europäischen Ländern zurück ins Mittelalter gebombt wurde (das lesen wir freilich wieder nicht), zählt das heute mehrfach geteilte Libyen zu den Failed States.

Die Autorin beharrt in einem von mir geführten Interview darauf, dass zum Zeitpunkt der Flucht, von 2011 bis 2013, nicht klar war, wie die Kräfteverhältnisse waren, wer, wen, wo, wie militärisch und finanziell unterstützt hätte. Die Mehrheit der Zivilbevölkerung wäre in der Annahme gewesen, es handle sich tatsächlich um ein internes Aufbegehren, nicht um einen extern angeführten Coup – weder in Libyen, noch in Ägypten oder Syrien. ISIS oder den Islamischen Staat hätte es zu dem Zeitpunkt in Syrien noch gar nicht gegeben. Dabei geht die Terrormiliz nachweislich auf al-Qaida (im Irak) zurück. Al-Qaida spielte eine Schlüsselrolle im Zweiten Irak-Krieg bzw. während des Dritten Golfkriegs ab 2003 und wurde zuvor, in den 1980er Jahren, vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützt. Heute hat sich ISIS weitestgehend von al-Qaida losgesagt bzw. wird als deren Nachfolgeorganisation gehandelt. Vor allem in den letzten Jahren hat ISIS häufig den Namen gewechselt. Laut Schätzungen (Stand 2015) stammt ein Großteil der IS-Kämpfer aus Tunesien, gefolgt von Saudi-Arabien, Jordanien, Marokko und der Türkei.

Wie es bereits im Irakkrieg ab 2001 nicht um Massenvernichtungswaffen ging (so viel ist heute bewiesen), ging es auch in Libyen nicht wirklich um solche und auch die notorischen chemischen Waffen (vieles deutet mittlerweile daraufhin, dass Rebellen Giftgas verwendet haben) in Syrien wirken blass angesichts eines womöglich für Staaten wie die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und Großbritannien viel wichtigeren Grunds: Öl.

Die reichen Ölvorkommen des Iraks und der Bedarf industrialisierter/westlicher Länder daran haben damals und auch bereits in der Vergangenheit am Golf für Krieg gesorgt. Dass die USA und Russland in einem Stellvertreterkrieg in Syrien den Kalten Krieg wieder aufwärmen, liegt also vielleicht auch am Öl?! Diese Zusammenhänge sind jedoch nicht nur in vielen Medienoutlets unterberichtet, sondern bleiben auch im Buch außen vor.

Schade, dass dadurch dem Buch jegliche politische Perspektive und jegliche bildende Funktion genommen wurde, indem man sich für den einfachen Weg entschieden hat, schlichtweg das aufs Papier zu bringen, was man eben von einer Quelle, Karim, erzählt bekommen hat. Mit dem Stempel „nach einer wahren Geschichte“ wird suggeriert, dass die Schilderungen im Buch den Fakten entsprechen. Obwohl Frau Wahba das Autorsein strikt vom Journalistensein getrennt sehen will, ist mir in der Recherche zumindest ein von ihr verfasster ZEIT-Artikel übel aufgestoßen, indem sie sich auf das umstrittene „Syrische Netzwerk für Menschenrechte“ beruft:

Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte, dessen Recherchen auch das US-Außenministerium für seine Länderberichte nutzt, führt eine Liste mit mehr als 65.000 Namen [von in Syrien verschwundener Menschen].

Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte, welches aus England von sage und schreibe einem einzelnen Mann geführt wird: Rami Abdul Rahman, einem bekannten Assad-Gegner, der lange nicht in seiner Heimat Syrien war und dementsprechend wenig über den Zustand der Menschenrechte dort wissen kann, gilt als unzuverlässige Quellen, die unter anderem auf Angaben, der ebenfalls umstrittenen Weißen Helme zurückgreift.

Alles in allem hinterlässt das Buch einen zwar einfühlsamen Eindruck von einem Einzelschicksal, jedoch mit einem bitteren Beigeschmack, der viele Fragen offen lässt und den informierten Leser zu Zweifeln anregt, wie ernstzunehmen das Niedergeschriebene tatsächlich ist. Das ist besonders schade, da dadurch das natürliche Mitgefühl für Flüchtlinge eher getrübt als verbessert wird – so geht es jedenfalls mir.

PS:

Und der „Faktencheck“ von SpiegelTV. Bildet Euch selbst eine Meinung:

Zusammenfassung

Ich bedanke mich bei LizzyNet für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder von LizzyNet, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

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Aller Anfang ist schwer …

Die heutige Frage beim #Autorenwahnsinn lautet: Wann und wie hast Du mit dem Schreiben angefangen?

Geht man in meiner Beitragsleiste nur weit genug zurück, findet man einen mit August 2004 datierten Beitrag. Hoppla, ein Gedicht. Der kurze Text ist sicher nicht mein erster, aber wohl doch der erste, den ich einer gewissen Öffentlichkeit preisgegeben habe. Seither habe ich mich mehr und mehr von der lyrischen Form entfernt, die gerade am Anfang sehr tonangebend war.

Die „gewisse Öffentlichkeit“ war damals meine Schule. Im sogenannten „Lesebogen“ der Schulzeitung erschienen regelmäßig Texte von mir und anderen Literaturbegeisterten, die an der Arbeitsgemeinschaft „Junge Autoren“ teilnahmen. Diesem kreativen Haufen habe ich viel für meine Laufbahn zu verdanken, da wir uns hier ganz unvoreingenommen über Texte austauschen konnten und zugleich eine Plattform erhielten. Mir hat die freiwillige Mitarbeit gezeigt, dass Schreiben tatsächlich ein realistisches Berufsziel sein kann, wovon meine Eltern jedoch erst noch überzeugt werden mussten.

Am Anfang habe ich meist nur Eindrücke, oft auch Gefühle verarbeitet. Später habe ich dann erste Geschichten wie diese gewagt, die sogar in einer Anthologie abgedruckt wurde. Heute schreibe ich mehr Auftragsarbeiten als mir lieb ist und hoffe, bald wieder zu kreativen Formen (Kinderbücher!!!) zurückkehren zu können. Davon leben zu können, ist nämlich tatsächlich nicht so einfach 🙂

Kickoff-Veranstaltung „Masterclass Autor_innen“ am 14. Januar im Volkstheater Wien

Du schreibst Stücke für Kinder und Jugendliche? Dann komm am 14. Januar ins Volkstheater Wien zur Kickoff-Veranstaltung der „Masterclass Autor_innen“!

Workshops für junge Dramatiker

Alle Interessierten sollten sich rechtzeitig für die Workshops anmelden (Ich habe leider keine Zeit).

11-13 Uhr, Schwarzer Salon
Workshop Dramatisches Schreiben 

Leitung: Lisa Sommerfeldt
Lisa Sommerfeldt ist freie Autorin und schreibt Theaterstücke und Hörspiele, insbesondere auch für junges Publikum. Zahlreiche Auftragsarbeiten, zuletzt „Dorfdisco“ für die Kulturstiftung von Landestheater Eisenach und Staatstheater Meiningen. Ihr Stück „Gleiswechsel“ wurde für den „Förderpreis der deutschen Landesbühnen“ nominiert und in diesem Rahmen uraufgeführt. ”KOMA” gastierte 2013 bei den bayerischen Theatertagen. Für „Flaschengeld“ erhielt sie den 2. Platz des Berliner Kindertheaterpreises; Das Stück war in der Favoritenrunde des “Kathrin-Türks-Preises 2012″, wurde 2014 auf dem Frankfurter Autorenforum vorgestellt und gastierte 2016 beim Festival „Schöne Aussicht“ in Stuttgart. Lisa Sommerfeldt war mit „Dragonheartkill“ Stipendiatin der Dramatikerbörse des Theaterfestivals “Luaga&Losna 2016“. Für ihren Stückentwurf „der dunkle Vogel (AT)“ erhielt sie 2016 das Projektstipendium des „Kinder- und Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg“ in Kooperation mit dem Theater Ulm. 2017 ist Lisa Sommerfeldt Stipendiatin der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur im Künstlerhaus Edenkoben.

13-15 Uhr, Schwarzer Salon
Workshop Stückentwicklung 
Leitung: Constance Cauers

Constance Cauers war 2004 bis 2008 Mitarbeiterin der theaterpädagogischen Abteilung des Thalia Theaters Hamburg. 2008 bis 2013 Theaterpädagogin und Dramaturgin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. 2013 bis 2015 Leiterin der theaterpädagogischen Abteilung am Schauspielhaus Graz. Lehraufträge an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, KPH Krems / Wien und Pädagogische Hochschule Niederösterreich, Lehrbeauftragte der Universität Hamburg, der Pädagogischen Hochschule Steiermark, der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Leitung von Fort- und Weiterbildungen an Weiterbildungseinrichtungen europaweit.
Seit der Spielzeit 2015/16 Leiterin des Jungen Volkstheaters. Seit Juni 2016 im Vorstand der Assitej Austria.

Die Teilnahme an den Workshops ist kostenlos, aber um Anmedung unter office(at)assitej.at wird gebeten. Eingeladen sind alle Schreibwütigen und Schreibinteressierten vom Studenten bis zum Nachwuchsautor.

Im Anschluss an die Schreibwerkstätten wird es ab 15 Uhr in der Roten Bar eine Podiumsdiskussion mit Brigitte Korn-Wimmer (Theaterstückverlag München), Jennifer Maria Bischoff (Junges Theater Linz), Odette Bereska (Theaterautorin, Regisseurin und Dramaturgin) und Lisa Sommerfeldt (Autorin) geben. Da kann ich dann auch kommen. Außerdem wird das Projekt der Masterclass Autor_innen vorgestellt, das zur Förderung von Nachwuchsautoren im Bereich Kinder- und Jugendtheater dient.

Moderation: Julia Engelmayer

Worum geht es bei der Masterclass Autor_innen?

Bis zum 31.12.2016 konnten Konzepte für die Stückentwicklung eingereicht werden. Das Thema lautete „Utopische Formen des Zusammenlebens“. Drei Projekte von Nachwuchsautoren werden durch die Jury (Sophie Reyer, Corinne Eckenstein, Flo Staffelmayr) ausgewählt. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion erfahren wir, welche drei Autoren ab Mitte Januar von Sophie Reyer, Lilly Axster, Flo Staffelmayr beim Stückeschreiben begleitet weren. Ich bin schon ganz gespannt. Und vielleicht bin ich mit der dramatischen Fassung von „Mira und der Mondstaubjunge“ ja auch unter den Glücklichen.

 

 

 

Weihnachtsgeschenk gesucht: Wie wär’s mit diesem Hörbuch? (Rezension)

Märchen sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Sie entstammen einer oralen Erzählkultur und prägen von klein auf unsere kulturelle Identität. In ihnen haben Hexen, Zauberer, Prinzessinnen und Prinzen, Königinnen und Könige sowie Schneiderlehrlinge, Mägde und Kinder die Hauptrolle. Daneben treffen wir allerlei Fantasiegestalten von Zwergen, über Wichtel, bis hin zu Meerjungfrauen.

So vertraut uns Figuren wie Rotkäppchen, die böse Stiefmutter von Schneewittchen oder Hänsel und Gretel auch sind, wir wissen eigentlich sehr wenig über sie. Wo kommen sie her und warum sind sie geworden, wie sie sind? War Schneewittchens Stiefmutter schon als Kind so unausstehlich und wie heißen eigentlich die Eltern der sieben Zwerge? Das sind Fragen, die uns Märchen nicht beantworten. Hier haben wir es mit Archetypen von Gut und Böse zu tun. Die Helden und Heldinnen sind festgelegt und nicht etwa Teil eines bürgerlichen Entwicklungsromans.

Trotzdem wäre es doch ziemlich interessant, etwas Ahnenforschung bei der einen oder anderen Figur betreiben zu können. Vielleicht ließe sie sich dadurch besser verstehen? Wie ist zum Beispiel der Weihnachtsmann zum Weihnachtsmann geworden? Der kann ja schließlich auch nicht einfach mit weißem Rauschebart und roter Pudelmütze auf die Welt gekommen sein! Wer sind dann also seine Eltern und warum verteilt er einmal im Jahr so gerne Geschenke an Kinder?

Basierend auf dem Buch von Matt Haig begeben wir uns in dem Hörbuch „Ein Junge namens Weihnacht“ auf eine fantastische Reise zu den Wurzeln des Weihnachtsmanns.

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Der kommt natürlich aus Finnland und ist auch einmal Kind gewesen. Nikolas heißt der kleine Junge, der später Geschenke an Kinder in aller Welt verteilen wird. Doch bis dahin hat er selbst einige Abenteuer zu überstehen, die seinen Glauben an die Menschheit nachhaltig erschüttern könnten, es aber zum Glück doch nicht tun.

Der Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher Rufus Beck entführt uns in die kindliche Weihnachtswelt von Nikolas und verleiht nicht nur ihm, sondern auch den Elfen, Trollen und der garstigen Tante von Nikolas eine Stimme. Nach vier CDs wissen wir endlich, wie der Weihnachtsmann zum Weihnachtsmann geworden ist!

Zusammenfassung

  • „Ein Junge namens Weihnacht“, Lesung mit Rufus Beck
  • Hörbuch: Wie wurde der Weihnachtsmann zum Weihnachtsmann?
  • empf. VK-Preis: € 14,39 [D]
  • 4 CDs, erschienen am 14.10.2016
  • ISBN: 978-3862318292

Ich bedanke mich bei LizzyNet für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder von LizzyNet, noch vom Autor, Sprecher oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

„Meine Nöstlinger“ – Lese- und Erzählnachmittag im Dschungel Wien

Christine Nöstlinger zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautoren. Am 13. Oktober hat sie ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert. Anlässlich des doppelt runden Jubiläums (8 und 0) hat der Dschungel Wien am Nachmittag des 16. Oktobers einige Bücher der Autorin im ganzen Theaterhaus verlesen lassen.

Vortragende war nicht die Autorin selbst, stattdessen gab ein buntes Ensemble von Schauspielern und Schauspielerinnen ausgewählte Stellen aus beliebten Büchern für Kinder und Kindgebliebene zum Besten. Für mich bedeutete das ein willkommenes Wiedersehen mit bekannten, freundlichen Gesichtern, aber auch neuen Input in Form von bisher nicht gelesenen Geschichten von bisher unbekannten Gesichtern.

Der Lese- und Erzählnachmittag ermöglichte eine kindliche Tour d’Horizon rund um Nöstlingers Schaffen. Ein gelungener Nachmittag, von dem nicht nur die vor Ort gewesenen Gäste profitieren, denn der Lese- und Erzählnachmittag war eine Benefizveranstaltung, um Schulklassen und Kindergartengruppen einen Theaterbesuch zu ermöglichen oder Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an der ganzjährigen Theaterwild:Werkstatt zu finanzieren. Hoffentlich wird bald mal wieder in der Garderobe, im Saal und im Foyer gelesen und erzählt.

Seine Zielgruppe abholen (Rezension)

We write not only for the children but also for their parents. They, too, are serious children. – Isaac Bashevis Singer

Bei Kinderbüchern schreibt man stets für zwei Leser. Das ist stets die Schwierigkeit für all jene, die Kinderbücher schreiben möchten. Schließlich muss sowohl das kindliche, als auch das erwachsene Lesepublikum angesprochen werden. Die Geschichte sollte daher zwei Erzählebenen oder zumindest zwei Interpretationsebenen bieten. Dass das stimmt, bemerkt jeder, der selbst einmal Kind war und als Erwachsener wieder in seine Lieblingskinderbücher schaut, vielleicht um sie den eigenen Kindern vorzulesen.

Mein liebstes Kinderbuch war und ist bis heute Janoschs „Ich mach dich gesund, sagte der Bär: Die Geschichte, wie der kleine Tiger einmal krank war“. Viele Details, über die man als Erwachsener schmunzelt, sind mir als Kind gar nicht aufgefallen. Zum Beispiel war mir als kleines Kind der Gänsewein von Tante Gans nie aufgefallen. Das war für mich irgendein Saft gewesen. Ich wusste ja gar nicht, was Wein ist. Genauso wenig Aufmerksamkeit habe ich den technischen Details des Krankenhauses gewidmet. Dort wird der kleine Tiger in eine Box gestellt und mit einer riesigen Lampe „durchleuchtet“. Ob Röntgen nun wirklich so funktioniert, war mir doch egal. Wichtig war mir die eindeutige Diagnose „Streifen verrutscht“.

Und so ist es doch bis heute. Kinder picken mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit Details aus der Geschichte als Eltern. Was am Ende bei jedem im Gedächtnis bleibt, kann sehr unterschiedlich sein. Umso wichtiger ist es, sein Publikum dort abzuholen, wo es steht: Kinder in der kindlichen Wirklichkeit und Eltern in der Welt der Erwachsenen, nur so wird die Geschichte Wirkung hinterlassen.

Wer immer noch nicht genau weiß, was ich meine, muss unbedingt einen Blick in das Buch „Von Süßigkeiten bekommt man Karisma: O-Töne aus dem Kinderzimmer“von Ralf Heimann werfen.

Basierend auf der Facebook-Seite „O-Töne aus dem Kinderzimmer“ wurden in diesem Buch die besten Versprecher von Kindern zusammengetragen. Die superwitzige Sprüchesammlung gibt nicht nur einen Einblick in den Eltern-Kind-Alltag, sondern zeigt auch, wie so manche Kids ticken. Schließlich sagt ein Verhörer oder Versprecher jede Menge aus. Aber macht Euch doch anhand dieser Beispiele selbst ein Bild:

Max (9) über die Figur seines Vaters: „Der Papa hat ein Sixpack aus Pudding und Speck.“

oder

Im Fernsehen läuft eine Kochsendung. Der Koch greift nach ein paar Rosmarinzweigen. Sohn (5): „Mama, warum tut der den Weihnachtsbaum da rein?“

oder

Der Sohn (4) singt das Pitsch-Patsch-Pinguin-Lied. Oma: „Kannst Du das Lied aus dem Kopf?“ „Sohn: „Nee, aus dem Kindergarten.“

Das nächste Mal, wenn Du in die Lebensrealität eines Kindes abtauchen willst und nicht recht den Eingang findest, schnapp Dir einfach Ralf Heimanns Buch und lass Dich inspirieren. Im Nu sprudeln die kindgerechten Ideen, die auch Erwachsene zum Schmunzeln bringen werden – versprochen.

Zusammenfassung

Ich bedanke mich beim Blanvalet-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

 

Über die Kunst, Kind zu bleiben und Fragen zu stellen (Rezension)

Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder,
dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.

Erich Kästner

Doch was passiert eigentlich, wenn wir erwachsen werden und das Kind in uns verlieren? Und wie kommt es dazu?

Ich glaube, einer der Hauptursachen für dieses Phänomen ist Routine. Pflichtbewusstsein, sagt man auch dazu. Routine kommt mit der Art, wie wir arbeiten. In unserem System gehen die wenigsten einer Tätigkeit nach, die sie ausfüllt, die zu ihrer Selbstentfaltung beiträgt und deshalb brauchen sie Urlaub. Würde uns unsere Arbeit wirklich Spaß machen, wozu bräuchten wir dann Urlaub?

Routine zwingt unser inneres Kind zu Arbeit, die ihm keinen Spaß macht und an der es nicht wächst. Im Gegenteil, wir schrumpfen. Nur wer sich dem Alltagstrott versperrt, der hält sein inneres Kind am Leben. Wer mit offenen Augen (und offenem Herzen) durch die Welt geht, der kann wachsen.

Daher freut es mich besonders, wenn Bücher wie „Das Buch der Antworten auf Fragen, die Sie nie stellen würden (aber Ihre Kinder womöglich schon)“ herausgebracht werden.

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Getreu dem Motto

Kind bleiben Einsteinwerden in diesem sagenhaft interessanten eBook Fragen, die Kinder eingereicht haben, von sogenannten Experten beantwortet, darunter bekannte Namen wie Noam Chomsky, Bear Grylls und mehr. Es handelt sich dabei um scheinbar banale Fragen wie

Warum ist der Himmel blau?

oder

Warum ist das Meer salzig?

oder

Wenn das Universum aus dem Nichts gekommen ist, wie konnte es dann zu etwas werden?

Und solche Fragen sind nicht immer leicht zu beantworten. Doch geht es in dem Buch wirklich um die Antworten? Ich würde behaupten: Nein. Klar, sind einige Erklärungen auch für Erwachsene sehr interessant, doch mir persönlich geht es mehr um die Kinder-Weltsicht, darum, welche Fragen den kleinen großen Denkern unter den Nägeln brennen. Manchmal sind sie nämlich nicht ganz so tiefsinnig, sondern einfach nur lustig. Doch gefragt werden müssen sie, zum Beispiel

Warum ist Pipi gelb?

oder

Wieso ist Wasser nass?

Angesichts solcher Fragen kann so mancher Elternteil schon einmal verzweifeln und die folgenschwere Antwort geben: Das ist doch gar nicht wichtig. Oder: Wozu willst Du denn sowas wissen? „Weil ich’s wissen will“ oder „Weil ich’s verstehen will“, war stets meine Antwort als Kind. Wissen muss nämlich nicht immer instrumentalisiert werden. Es ist gut und richtig zu fragen, einfach um des Wissens Willen. Platon, Einstein & Co wären sicher auf meiner Seite. Also hört nie auf, Fragen zu stellen. Wie sonst will man auf neue Antworten kommen? Jedes Buch beginnt mit einer Frage. Wie lautet Deine?

Zusammenfassung

  • Kinderfragen und Expertenantworten
  • philosophisch und gehaltvoll
  • regt dazu an, eigene Fragen zu stellen und alternative Antworten zu finden
  • empf. VK-Preis: € 13,99 [D] 17,00 [CH]
  • erschienen als eBook, 23.05.2013
  • ISBN: 978-3-641-10846-5

Das Buch der Antworten auf Fragen, die Sie nie stellen würden (aber Ihre Kinder womöglich schon) bestellen
Ich bedanke mich bei Random House für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

 

Mira und der Mondstaubjunge – (mit Ticket ins Traumland)

{Entwurf}

Eine Gute-Nacht-Abenteuer-Reise zum Vorlesen und Anhören

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Gar nicht so weit von hier hat er den Sternenwald entdeckt. Ein fast vergessener Ort zwischen ihm, dem Mond, und der Milchstraße. Winzig, wenn man das Universum betrachtet. Kein Mensch könnte es in einem Leben durchwandern. Wer würde sich auf die Sonne wagen? In den Sternenwald schon. Ein Ort, so weit und sehnsuchtsvoll wie der Nachthimmel. Oder das beinahe dunkle Bild, das man sieht, wenn man die Augen schließt. Die muss man nämlich ein bisschen zusammenkneifen. Träumen halt. Sonst findet man das Tor nicht. Beginnen kann die Reise überall. Zu Hause auf dem Sofa, im Bett oder auch im Auto. Ganz Mutige starten vom Gehsteig aus oder von der Schulbank weg. Das ist dann schon ein wenig gefährlich. Für den Ausblick danach lohnt es sich aber. Bäume glitzern in Grün und in Gold, ganz gleich, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Hier geht die Zeit ohne Uhren.
Also schau Dich noch mal um. Erst links, jetzt rechts. Es geht in den Sternenwald! Der Weg dorthin ist ist nie derselbe. Manchmal hangelst Du Dich durch einen Dschungel. Schwingst Dich von Liane zu Liane, ein bisschen wie beim Klettergerüst auf dem Schulhof mit den Hängeringen.
Ab und zu springt man mutig in einen Fuchsbau, der tiefer und tiefer führt und am Schluss sieht man Licht. So ähnlich wie bei der Wasserrutsche im Freibad.
Neulich hab ich gesehen, wie der Weg durch ein riesiges Feld aus Zahnbürsten führte, die sich im Abendwind wogen. Wahrscheinlich weil sich jemand nicht die Zähne putzen wollte. Das macht hier aber nichts. Irgendwie findest Du immer einen Weg. Dein Ticket sind die Träume. So schaurig wie der von den Zahnbürsten oder so süß wie der von den Zuckerraketen, die zu den Schokosternen fliegen. Alles ist möglich.
Also los! Mira und der Mann im Mond warten schon. Mira ist oft hier, um ihren besten Freund zu besuchen. Sie weiß, wo sich Wege auftun und wo man sie besser nicht verlässt und – wo genau das Spaß macht.

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„Ich hoffe, Du hast Dir die Zähne geputzt. Sonst kriegen wir Turbulenzen, Wirbelstürme, schwarze Löcher und -“
„Das weiß ich doch“, unterbrach Mira den Mann im Mond. „Aber ich glaub, ich bin noch nicht wirklich bereit.“
„Wieso denn?“
„Weil wir heute so lange Auto gefahren sind. Zur Oma. Und jetzt bin ich ganz müde und doch wach.“
„Verstehe“, meinte der Mann im Mond. „Dann sollten wir etwas anders gehen.“
„Und wie?“, fragte Mira.
„Genau genommen, wollte ich auch fahren.“
„Nicht schon wieder Autofahren! Können wir nicht fliegen? So wie mit der Zuckerrakete.“
„Aber ich dachte, Du magst meine neueste Entdeckung ausprobieren. Es handelt sich nämlich um kein gewöhnliches Auto.“
„Sondern?“
„Darf ich vorführen – gegen schlechte Wetter und andere Launen: Der Eisstreupflug!“

Mira ging auf das kunterbunte Gefährt zu. Und einmal rundherum. Nach einer Weile stand sie wieder neben dem Mann im Mond und meinte:
„Es ist riesig, aber sieht eigentlich aus wie ein normales Winterfahrzeug.“
„Papalapap! Winterfahrzeug? Der Eisstreupflug fährt doch im Sommer.“
„Ein Eisstreufahrzeug im Sommer? Ist das nicht gefährlich?“
„Ach was. Nein, nein. Steig mal ein. Wir probieren das aus.“

Erst links und dann rechts schaute sich Mira mit großen Augen noch einmal um. Der Mann im Mond war schon hinter das Lenkrad gesprungen und wippte eifrig auf dem Fahrersitz. Er drehte den Kaugummistiel im Schloss und das ganze Gefährt wackelte und lärmte los. Mira hatte neben dem Mann im Mond Platz genommen.
„Aaanschnallen!“, rief der Mann im Mond gegen die knatternde Maschine an.
„Jaha, bin aaangeschnallt.“
Vor Miras Sitz waren 3 Halterungen angebracht, darunter eine Luke und neben ihr ein blubbernder Kasten.
„Wozu ist das denn alles?“, fragte sie ihn.
„Hier wird das Eis produziert. Streuen wir los!“

Da erhob sich der Eisstreupflug langsam vom Boden. Die Maschine lief nun ruhiger. Die gestrichelte Mittellinie auf der Straße wurde mit einer durchgezogenen Spur in Weiß verbunden. Mira wusste nicht, wohin sie zuerst schauen sollte.

„Wenn man die weiße Linie auf der Straße verbindet und immer weiter denkt, weißt Du wo man dann hinkommt, Mira?“
„Nach Hause?“
„Nein, nein, sie wird dann breiter und weiter in Deinem Kopf und schließlich zu einer ganz eigenen Straße“, erklärte ihr der Mann im Mond ganz aufgeregt.
„Aha. Und wo führt die Straße dann hin?“
„In den Sternenwald natürlich.“
„Du“, stipste Mira den Mann im Mond an, „ich glaube, wir verlieren da hinten was. Treibstoff oder so.“
„Nein, Eiskrem.“
„Eiskrem?“
„Ja, willst Du mal kosten? Hier im Tank ist, glaub ich, gerade Vanille.“
Zwischen dem Mann im Mond und Mira machte eine weitere Box auf. Hier gab es Waffeln.
„Nimm Dir ruhig.“
„Gerne. Danke. He, ich glaub, die ganze Eiskrem schmilzt da draußen schon.“
„Ja, wir sind ja auch bald bei der Milchstraße.“
„Oh, das war dann aber doch eine kurze Autofahrt“, freute sich Mira.