Sehnsucht im Konjunktiv II

Dass Du nicht sagst, was Du doch meinst,
dass Du nicht meinst, was Du mir sagst,
es ist gar schade,
singt von Saudade,
bereitet ein Bade
aus stillem Tränengelage.

Dass Du nur träumst, was nicht könnte sein,
aber doch müssen sollen,
bringt keinen Stein je ins Rollen.
Sehnsucht im Konjunktiv II
ist vertane Müh‘:
noch gar nicht hier und doch schon vorbei.

Ich lieb‘ Dich zu früh,
ach! kenn‘ Dich zu spät.
Und doch bist Du hier –
alles, was zählt.

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Schachmatt

in meinem kiez –
da steht ein fiets.
es hat keinen fahrradständer.
so hängt es verkettet,
angerostet am geländer;
und die stadt, ein monochromes mosaik,
setzt mit ihrem grauen schleier
den draht’gen esel bald schachmatt.
lackgeblättert, reifenplatt –
so steht es da, das velo
und fragt:
was hat wien für einen elo,
dass ich jetzt schon verloren hab‘?

Anschlagserie

Klick, klack, läuft im Takt die Erika.
Klick, klack, und ein Wort steht da.
Klick, klack, klick, klack, klick, klack …
Schwarz auf Weiß, bedeutungsschwanger, hält sie die Zeile bei der Stange.
Klick, klack: noch ein kleines Stück,
ratternd schreckt sie zurück.
K’tsching, rauscht sie zum nächsten Vers.
Umbruch, Wirbel und Krawall, der an den Wänden widerhallt.
Klick, jetzt bloß nicht ins Stocken kommen!
Klack, die Schreibblockade ist durchbrochen.
Klick, klack, rattern Typen ein Gedicht.
Klick, klack, wandelt es dein Gesicht.
Klick, klack, klick, klack, klick, klack …

Und der Verfasserschutz?
Ist gegen ihren Anschlag wirkungslos.

Du auch?

(für I.)

Eine Zunge wie ein Speer
kennt keine Gegenwehr,
doch was, wenn mein Herze spricht:
Deinen Kussschlund küssen
will ich nicht?

Holst Du zum Angriff aus?
Kommst Du aus dem Hinterhalt?

Ja, denn Du kennst keine Liebe,
kennst doch nur Gewalt.
Übermacht und -legenheit
sind, was Dich befreit.

Schaffen es meine Worte in Dein Ohr,
verpuffen sie als Schall und Rauch.
Und ich geh‘ verlor’n –
und Jahre später fragt mich wer: Was, Du auch?