Essay schreiben für Caroline-Schlegel-Preis 2017

Das Wort „Traktat“ ist mir erstmals in Hermann Hesses Buch „Der Steppenwolf“ über den Weg gelaufen, das wir in der Schule lesen mussten. Dort wird ein Kapitel mit „Traktat vom Steppenwolf“ betitelt. Traktat – das ist eine Art Abhandlung, ein Aufsatz, ein Essay, kurzum: Ein gedankliches Experiment, das in Worte gefasst wird. Was mir damals irgendwie an dem Roman gefiel, finde ich heute nur noch gekünstelt. Die Gefahr des Gekünstelten besteht übrigens ganz allgemein, wenn man ein Traktat verfasst. Um möglichst ausgefallen zu klingen, wird die Sprache ins Unermässliche gehoben, während meist der inhaltliche Gehalt hintangestellt wird. Als ich jedoch vom Caroline-Schlegel-Preis erfuhr, war meine Neugierde geweckt.

Sprache, Stil und Recherche – so soll ein Essay aussehen

Der vom Romantikerhaus Jena vergebene Essay-Preis stellt drei Anforderungen an die potentiellen Preisträger und ihr Werk. Der Text muss sich „durch ein hohes sprachliches und stilistisches Niveau und eine solide Recherche auszeichnen“.

Das Thema kann frei gewählt werden und sollte auf zehn bis fünfzehn Seiten abgehandelt werden. Eine dreiköpfige Jury entscheidet darüber, wer den Hauptpreis (5.000 Euro) und wer den Förderpreis (2.500 Euro) erhält. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2017. Ich werde mit einem Essay teilnehmen. Du auch?

 

 

 

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Zwei praktische Tools für den Texter-Alltag

Als professioneller Texter werde ich dafür bezahlt, die richtigen Worte zu finden – Worte, die im Gedächtnis bleiben und einen guten Eindruck hinterlassen. Denn gut recherchierte Texte sind das, was interessante Internetseiten und Magazine ausmacht. Gut lesbare Texte sorgen für einen steten Leserzustrom, zufriedenstellende Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen. Damit das funktioniert, ist Unique Content gefragt. Wer plagiiert, verliert – vor allem wenn es um die Positionierung bei Suchmaschinen geht.

Mit Online-Tools vor Plagiaten schützen

Wer Texte vom ersten Buchstaben an selbst konzipiert, läuft im Grunde keine Gefahr zu plagiieren. Doch vor allem wenn man über ein Thema schreibt, das einem schon hundert Mal aus der Feder geflossen ist oder umgekehrt, wenn man sich völlig unerfahren auf einen neuen Themenkomplex stürzt, kann es vorkommen, dass man bewusst oder unbewusst, Formulierungen aus alten Texten oder Recherchequellen klaut.

Um sicher zu gehen, dass man nicht irgendwo Gehörtes oder Gelesenes nachplappert, kann man den fertigen Text vor der Veröffentlichung einfach durch eine kostenlose Plagiatskontrolle jagen. Online-Tools wie Plagium überzeugen in der Regel mit weiteren Funktionen wie beispielsweise dem Vergleichen von Texten. So kann ich auf einen Blick sehen, ob es Ähnlichkeiten zwischen Texten gibt.

Mehr als nur ein Texter: HTML-Codes nutzen

Obwohl der Texter-Alltag in erster Linie davon bestimmt wird, mit Worten zu jonglieren, ist das nicht alles, was ich mache. Viele Kunden möchten den Text fix und fertig geliefert bekommen, so dass sie ihn direkt veröffentlichen können. Gegen Aufpreis formatiere ich den Text daher auch gleich in die gewünschte Form – und das geschieht in der Regel mithilfe von HTML-Codes.

Die Grenze vom Texter zum Layouter und Webdesigner ist daher fließend. Nicht selten arbeiten kreative Köpfe gewissermaßen in Personalunion als Texter, Layouter, Web- und Grafikdesigner. Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, können grundlegende Kenntnisse in diesen Bereichen nicht schaden. Auf Wunsch kann ich so auch einfache Bildbearbeitungen vornehmen oder meine Texte in ein gewünschtes Format bringen. Vor allem die Formatierung in HTML wird häufig verlangt.

Zum Glück ist das gar nicht sooo schwer, wie es klingt. Eine umfassende Übersicht über die unterschiedlichen HTML-Codes bietet diese Webseite. Häufig liefert der jeweilige Auftraggeber eine eigene Formatvorlage, die lediglich mit Inhalt gefüllt werden muss. Bei umfassenden Tabellen wird es da jedoch schnell unübersichtlich – was kommt jetzt wo in welche Spalte?

Um den Überblick nicht zu verlieren, kann man die Vorlage (oder die eigens designte Seite) im HTML-Format hier eingeben. Die Seite spuckt im unteren Teil dann aus, wie die fertige Seite aussehen wird. Sehr praktisch. So schaffen es auch Texter, die eigentlich nichts mit Webdesign am Hut haben, fix und fertig gestaltete Texte für Online-Outlets zu liefern.

 

PDF-Dokumente ganz einfach verkleinern

Heute gibt es einen Beitrag aus der Kategorie „Praktische Gadgets für den Schriftstelleralltag“. Der angekündigte Helfer empfiehlt sich zudem insbesondere für Bewerber und Studenten.

PDF – der Dokumentenstandard

Studenten kennen das Problem, Texter schlagen sich damit herum und auch Du bist womöglich schon einmal an einem viel zu großen PDF verzweifelt. Grundsätzlich sind die mit dem Acrobat Reader zu öffnenden Dokumente eine feine Sache. Sie sind wesentlich kleiner als Word- oder Open-Office-Textdokumente und können nicht einfach so durch andere Personen verändert werden. Daher gilt PDF z. B. als Standard an Universitäten, wenn es darum geht, Abschlussarbeiten einzureichen.

Wenn PDF-Dokumente den Rahmen bzw. das Postfach sprengen

Sobald jedoch Bilddateien eingebaut werden, sprengen auch PDF-Dokumente schnell den Rahmen. Wer zum Beispiel eine Bewerbung per E-Mail mit angehängtem PDF-Dokument verschicken möchte, das neben Motivationsschreiben und Lebenslauf auch noch ein Foto oder gar Zeugniskopien enthält, wird dem Empfänger schnell das Postfach sprengen. Die Lösung?

PDF-Dokumente ganz einfach verkleinern

Das PDF-Dokument wird komprimiert und wie geht das? Ganz einfach. Ich stand erst kürzlich vor dem Problem, dass ich ein fünf Megabyte großes Dokument für den Acrobat Reader per E-Mail verschicken wollte. Um dem Empfänger nicht das E-Mail-Postfach zu verstopfen, habe ich mal das Netz durchforstet, was man denn in diesem Fall machen könnte und siehe da, man kann die schreibgeschützten Dokumente tatsächlich kleiner machen.

Die Seite, die ich gefunden habe, trägt den einleuchtenden Namen Small PDF und bietet einen Service, der hält, was der Name verspricht. Einfach Datei hochladen, kurz warten und die komprimierte Datei wieder herunterladen und abspeichern. Schon kann das Mini-PDF verschickt werden. Aus fünf Megabyte wurden bei mir kurzerhand 703 Kilobyte. Wow, wie praktisch!

Gegen Anmeldung und Bezahlung kann man den vollen Funktionsumfang nutzen, darunter Dinge wie Überführung zurück ins Word-Format, Ausgabe als JPG-Bild oder die Zusammenführung mehrerer PDFs in ein Dokument. Da ich diese Funktionen aber eigentlich nicht brauche, reicht mir das kostenlose Angebot vollkommen. Selbst PDFs muss ich nicht allzu häufig komprimieren. So genügen mir die zwei Frei-Komprimierungen pro 15 Minuten allemal. Hattest Du auch schon einmal das Problem, dass ein PDF-Dokument einfach viel zu groß wurde für den virtuellen Postverkehr?

 

Musik und schreiben (mal wieder Autorenwahnsinn)

Mit etwas Verspätung möchte ich noch meinen Senf zum Autorenwahnsinn von letzter Woche abgeben.

Grundsätzlich höre ich sehr gerne Musik. Doch beim Schreiben muss ich unterscheiden, ob ich gerade kreativ schreibe oder zum Beispiel an einem Ratgebertext für die Arbeit sitze oder weiter über meinem Handbuch über Histaminintoleranz grüble, das irgendwie nicht recht fertig werden will …

Beim kreativen Schreiben mag ich Musik – gerne sogar mit Text. Klassische Musik, sofern es mich nicht allzu sehr aufwühlt, geht natürlich immer, aber manchmal darf auch gesungen werden. Momentan stehen Soul und Jazz ganz hoch im Kurs.

Ansonsten sind es generell Oldies, die hier aus den Lautsprechern dröhnen. Und wozu Musik beim kreativen Schreiben? Sie schickt meine Gedanken auf Reisen und manchmal ist es ganz spannend, wo ich am Ende gedanklich lande. Daher ist Musik vor allem für kurze Texte ein tolles gedankliches Transportmittel.

Wenn mir „richtige“ Musik zu viel beim Schreiben ist, mir aber die Totenstille Angst vor dem weißen Blatt macht, sorge ich mit Noisli für Hintergrundgeräusche.

Beim konzentrierten Arbeiten an längeren Texten (und Sachtexten) herrscht hier aber Funkstille.

Hierzu werde ich nicht länger schweigen

Seit 2011 macht der Syrienkonflikt oder -krieg die Nachrichten. Was täglich durch die Nachrichtenkanäle geschickt wird, macht betroffen und wirkt beängstigend. Anfangs hörten und lasen wir immer wieder von Fassbomben, die der Diktator auf seine eigene Bevölkerung werfe und von chemischen Waffen.

Das Aufregen war groß, doch schon bald meldeten sich auch andere Nachrichten zu Wort. Aufgrund seiner großen Reichweite gelangte hierbei zunächst der englischsprachige Sender Russia Today ins Visier der Kritik (mittlerweile auch mit deutschsprachigem Outlet), denn was hier kam, war ein Angriff auf vieles bisher Gehörte und Gelesene. Und das war natürlich unerhört.

Heute ist die Rede von Fake News und Falschmeldungen, die der „staatlich finanzierte“ oder „staatlich geförderte“ Sender RT verbreite. Bezieht man sich hingegen auf den ORF oder ARD, lese ich nie den Hinweis „staatlich geförderter Sender“. Das ist doch schon verwunderlich, aber heißt ja noch nichts. Fakt ist jedoch, dass RT kein Hehl darum macht, dass er staatlich gefördert wird. Ist ja auch nicht verboten. Immer wieder unterbreiten mir Sender wie der ORF oder das Magazin Spiegel „Faktenchecks“ zu verschiedenen Themen, die RT oder andere alternative Medien wie Press TV (Iran), Telesur (Lateinamerika/Venezuela), Truthdig, etc. berichtet haben.

Schauen wir uns also mal das Thema der chemischen Waffen an und nutzen am besten eine Quelle abseits von RT, um mir den Vorwurf der Voreingenommenheit oder Einseitigkeit zu ersparen.

Chemische Waffen und Syrienkrieg

2013 berichtete die Washington Times, das konservative Pendant zur liberalen Washington Post, dass wahrscheinlich Rebellen und nicht Assad chemische Waffen benutzt haben und berufen sich dabei auf eine UN-Quelle. Das Gleiche berichtet der britische Telegraph.

2013 war das Jahr, in dem ich begann, mich an ähnliche Vorwürfe gegenüber dem damaligen Diktator Saddam Hussein im Irak zu erinnern. Nicht chemische Waffen, sondern vor allem Massenvernichtungswaffen – das war damals das Wort in aller Munde. Dass Hussein Massenvernichtungswaffen besessen hat, war bekannt, verschiedene Länder hatten selbige in der Vergangenheit geliefert. Schließlich sollte der Irak als Bollwerk gegen den Iran dienen und gleichzeitig die damalige Sowjetunion aus Nahost fernhalten. Es ging bereits damals, darum Ölquellen zu sichern. Und mit „damals“ sind die frühen 90er und späten 80er Jahre gemeint.

Denn als Husseins Coup-Versuch im Iran fehlgeschlagen ist, hat er sich kurzerhand Kuwait zugewandt. Die US-Regierung war jedoch auf ein stabiles Kuwait angewiesen (Öl) und war mit der Aktion nicht einverstanden. Der erste Irak-Krieg wurde von George H. W. Bush, dem Vater von George W. Bush, gestartet. Einen humorvoller Blick auf diesen ersten großen Konflikt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es hier:

Am Ende des ersten Golfkriegs blieb Hussein – geschwächt – an der Macht. Doch der Krieg war damit nicht zuende. Wirtschaftssanktionen, die unter anderem auch die Einfuhr wichtiger Medikamente, verhinderten, forderten hunderttausende Opfer im Irak, darunter viele Kinder. Das berichtet 1995 die New York Times mit Berufung auf UN-Quellen.

Nach dem 11. September 2001 drohte dem Irak jedoch ein weiterer Krieg, zunächst war jedoch Afghanistan dran und das obwohl 15 der 19 Männer, die damals die Flugzeuge entführt hatten, aus Saudi-Arabien stammten, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer aus Ägypten und einer aus dem Libanon. Grund für den Irak-Krieg waren am Ende Massenvernichtungswaffen.

Die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, wie wir heute wissen und – wie die Bush-Regierung auch zugegeben hat. Trotzdem kommen auch Jahre später zuweilen Diskussionen auf. Es ist dann nur noch traurig, wenn ausgerechnet Partei-Kollege Donald Trump, darauf hinweisen muss, dass dem nicht so ist. Mehr dazu in der Huffington Post.

Bis heute sind offenbar wichtige Seiten des 9/11-Reports klassifiziert und weiterhin für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Frage, die allen unter den Nägeln brennt, ist: Hat die königliche Familie Saudi-Arabiens (hier lesen wir nie „Diktator“, doch das nur am Rande) die Flugzeugentführer unterstützt? Wenn dem so wäre, gäbe es eine direkte staatliche Verbindung zur Terroristengruppe Al-Qaida. Und schlimmer noch: War es nicht vielleicht von langer Sicht geplant, den Irak (und auch Syrien anzugreifen)?

Was hat das mit Syrien zu tun?

Während der Syrienkrieg oftmals als Religionskonflikt oder als Revolution einer aufbegehrenden Bevölkerung berichtet wird, schreiben andere Medien vom Stellvertreterkrieg (wie damals) zwischen den USA und Russland unter Beteiligung verschiedener Partner. Auf US-amerikanischer Seite sind da die NATO-Mitgliedsstaaten, aber vor allem britische, deutsche, französische, türkische sowie saudische und arabische Beteiligung, welche wiederum die Freie Syrische Armee und andere sogenannte Rebellen unterstützen (finanziell und/oder mit Waffen). Das lässt sich auch ganz frei und offen selbst auf Wikipedia nachlesen – genauso wie die Verbindungen zwischen Freier Syrischer Armee, Al-Qaida, al-Nusra und dem Islamischen Staat, gegen den die USA ja vorgeben zu kämpfen. Priorität hat jedoch stets das Abdanken Assads gehabt.

Auf der anderen Seite stehen die Russische Föderation, Syrien, Iran und seit neuestem auch die Türkei, die quasi die Seiten gewechselt hat. Unterstützt wird die russische Intervention von Serbien und Armenien.

Explodiert ist der Konflikt mit dem US-geführten Angriff auf Syrische Regierungstruppen, was zu einer Notfallsitzung im UN Security Council geführt hat.

Während Syrien kaum nennenswerte Ölquellen besitzt, ist das Land dennoch öltechnisch relevant. Und hier kommen wir nun also ganz zum Anfang zurück. 2009 verneinte Assad den Vorschlag eine Pipeline von Qatar durch das Land bauen zu lassen. Stattdessen sind nun neue Pläne auf dem Tisch, die vom Iran, Russland und anderen Ländern unterstützt werden, jedoch die königlichen Interessen unter anderem auch der Saudis massiv stören könnten. Mehr dazu hier. Daneben sind es nicht nur die Erdölquellen an sich, die in Nahost und Nordafrika gesichert werden sollen, sondern auch die Leitwährung Dollar. Nach wie vor wird Öl in Dollar gehandelt. Recht ausführlich wird das in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten beschrieben. Auch Gaddafi stellte die Vormachtstellung des Dollars als Leitwährung infrage. Laut öffentlich gewordenen, internen E-Mails zwischen Hillary Clinton und Sid Blumenthal plante Gaddafi eine panafrikanische Währung, die auf der libyschen Währung basieren sollte, diese wiederum sollte an den Gold-Standard geknüpft sein. Der Dollar hingegen ist seit 1973 nicht an einen solchen Realwert (Gold oder Silber) gebunden. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von „flexiblen Wechselkursen“, die wiederum nur dadurch halbwegs stabil bleiben, weil die entsprechende Weltmacht mit allen Mitteln an verschiedenen Stellschrauben dreht – und wehe, jemand stellt dieses Währungsmonopol infrage. Elmar Altvater schreibt hierzu in „Die Weltwährungskrise“ bereits 1969:

Während das Gold aufgrund der in ihm verkörperten Arbeit, d.h. aufgrund seines Eigenwertes, unabhängig von staatlicher Manipulation Weltgeld ist, sobald es als Zahlungsmittel benutzt wird, kann nationales Kreditgeld nur dadurch zu internationalem Geld werden, daß einerseits der entsprechende Nationalstaat durch seine ökonomische und politische Macht seine Währung als Weltgeld erzeugt, indem er sie exportiert und sie durch die Konvertibilitätsbestimmung garantiert und andererseits vom privaten Waren- und Kapitalverkehr der anderen Nationalstaaten die Währung als Weltgeld anerkannt wird, bzw. die Anerkennung durch koloniale Abhängigkeitsverhältnisse erzwungen wird.

Leiden müssen vor dem Hintergrund dieser Währungs-Energie-Krisen-Kriege Zivilisten – im Irak, in Syrien und im Jemen. Vor allem der Krieg im Jemen ist derzeit erschreckend unterberichtet, nicht zuletzt weil kaum Journalisten in das Land gelangen. Schuld an den Kriegen sind die Profitinteressen großer internationaler Unternehmen in der Öl- und Waffenindustrie, die hier politisiert werden. Doch bekommen wir diese Tour d’Horizon so in den alltäglichen Medien präsentiert? Nein. Hin und wieder, ja. Aber dann werden solche Ausnahmeartikel überschattet von Jubelhymnen wie diesen:

Netflix’s „The White Helmets“ takes home the company’s first Oscar win

Syria’s White Helmets Didn’t Get the Nobel. But Their Rescue Work Continues

Völlig unkritisch wird diese selbsternannte, nur scheinbar unparteiische Hilfsorganisation gefeiert, kein Wort davon, wer diese Organisation zu einem Großteil finanziert und dass offenbar Verbindungen zu Al-Qaida und Jabhat al-Nusra bestehen. Das erfahren wir eben doch nur in den alternativen Medien.

 

Autorentagebuch anlegen: Erste Überlegungen

Im Grunde ist jeder Blog eine Art Tagebuch oder zumindest ein Journal oder eine Art Chronik. Jeder Eintrag erhält einen Datumseintrag und steht für sich allein und erlangt doch erst im Kontext des bisher Geschriebenen seine Bedeutung. Ein Ende ist nicht abzusehen, aber unumgänglich – schließlich lebt niemand für immer. Vielleicht verliert der Blogger aber auch irgendwann einmal die Lust am Schreiben. Im Gegensatz zum persönliches Tagebuch ist der Blog aber stets bereits für ein Publikum bestimmt, während das Tagebuch zunächst nur im Privaten entsteht.

Eine besondere Ausnahme ist „The Writer’s Diary: A Monthly Publication“ von Fjodor Dostojewski. Diese Ansammlung von Texten verschiedener Textgattungen, gespickt mit Ideen, Kommentaren, usw., die von 1873 bis 1881 monatlich (mit Unterbrechungen) von Dostojewski selbst veröffentlicht wurde, ist tatsächlich eine Art Vorläufer des Blogs. Mit diesem Werk möchte ich mich jedoch ein anderes Mal näher auseinandersetzen.

Sofern man nicht Leo Tolstoi ist, der auf seine späten Tage offenbar seine Familie im Tagebuch mitlesen lassen hat, wird der Inhalt des Tagebuchs – zumindest zu Lebzeiten – der Öffentlichkeit vorenthalten. Im Tagebuch hat man Raum, Ideen und Eindrücke zu reflektieren. Man richtet die Worte an sich und geht zuweilen auch mit sich selbst ins Gericht. So lässt sich auch erklären, warum ich trotz Blog noch ein Tagebuch „nur für mich“ anlegen möchte. Ohne Mitleser und Kommentarfunktion soll mir dieses kleine Buch ein stetiger Begleiter werden.

Welches Tagebuch?

Zunächst einmal stellt sich heutzutage die Frage: Digital oder analog? Diese Frage habe ich, wie man sieht, blitzschnell für mich mit „analog“ beantwortet. Als hauptberufliche Texterin hänge ich ohnehin einen Großteil des Tages am Bildschirm. Da freuen sich vor allem die Augen über etwas Abwechslung. Grundsätzlich kann man aber auch am PC Tagebuch führen oder eine App am Tablet oder Smartphone nutzen, wenn man sowas hat.

Für mich ist die analoge Haptik jedoch entscheidend. Ich benötige ein Buch, das ich gerne in die Hand nehme, das sich gut anfühlt (ich mag die Strukturoberfläche des obigen Buchs), das klein genug ist, dass man es immer mitnehmen kann und groß genug ist, um darin Ideen auszubreiten. Gründe, warum ich genau dieses Buch als Tagebuch auserkoren habe:

  • Haptik
  • Größe: A6
  • absoluter Freiraum: keine Karos, keine Linien, einfach blank
  • Stiftehalter (so muss ich den Stift in der Handtasche nie suchen)
  • Fächer vorne und hinten für lose Zettel
  • Seitenzahl für bessere Übersicht

Schreibszene?

Nachdem ich also mein Tagebuch habe, stellt sich die Frage: Womit schreibe ich? Bleistift? Kugelschreiber? Füllhalter? Fineliner? Tintenroller? Grundsätzlich liebe ich meinen aufziehbaren Füllhalter Pelikan GO, der heute leider nicht mehr hergestellt wird. Mittlerweile läuft der aber manchmal aus und ist gerade für unterwegs (das Tagebuch wird vielleicht auch Notizbuch) nicht die richtige Wahl. Ansonsten schreibe ich am liebsten mit Bleistift. Das Geräusch und die Druckspuren auf dem Papier faszinieren mich genauso wie die feinen Absplitterungen von Graphit, die sich bei einem frisch gespitzten Bleistift nach und nach lösen. Für unterwegs mag ich Kugelschreiber und Tintenroller, einfach aufgrund praktischer Gesichtspunkte. Überlegungen zur Schreibszene befassen sich jedoch nicht nur mit dem Schreibmaterial, sondern auch mit Fragen wie: Wo und wann schreiben? Am liebsten morgens oder abends. So kann ich mir einmal täglich vornehmen, zumindest irgendetwas für mich zu Papier zu bringen. Daneben ist das Buch jedoch auch sonst stets aufnahmefähig für Ideen.

Wie anfangen?

Doch was soll nun hinein ins Tagebuch? Um mir bei dieser Frage etwas auf die Sprünge zu helfen, habe ich mir „Schreiben Tag für Tag“ aus der Duden-Schreibschule-Reihe bestellt. Christian Schärf stellt in diesem Handbuch verschiedene Techniken für das Tagebuchschreiben vor und liefert zur Veranschaulichung prominente Beispiel von Goethe bis Kafka. Das Buch beginnt mit allgemeinen Überlegungen und stellt dadurch Eigenheiten des Tagebuchschreibens heraus:

Jede Unterhaltung ist von der prinzipiellen Unvorhersehbarkeit der Antwort des anderen geprägt und wird von der Offenheit der Konversation in Spannung gehalten. Ganz anders verhält es sich im Tagebuch, in dem stets der Monolog vorherrscht.

Oder:

Das Tagebuch ist und bleibt ein intimes Instrument der Selbstverständigung.

Am Ende jeden Kapitels findet sich eine Schreibaufgabe. Das Buch beginnt mit sehr einfachen, teils stark verkürzten Tagebuchformen in elliptischer oder stichpunktartiger Schreibweise und geht später über zu erzählenden Schreibformen, die bereits einen gewissen literarischen Charakter haben.

Eigentlich ist eine erzählte Chronik für Leser geschrieben. Sie weist bereits alle kommunikativen Merkmale eines literarischen Textes auf. Allerdings gibt es auch einen Typus des Tagebuchschreibers, der das Erlebte sich selbst erzählen muss, um überhaupt Aufzeichnungen anfertigen zu können.

Oder um es mit Dostojewski (engl. Übersetzung) zu sagen:

We all know that entire trains of thought can sometimes pass through our heads in an instant, like sensations of some thought, without being translated into human language, never mind into literary language.

Mich haben aber vor allem die verdichteten Formen interessiert, getreu dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“. Außerdem habe ich mir ein paar interessante Begriffe herausgepickt, so zum Beispiel „prismatischer Infantilismus“ (von Gottfried Benn), was so viel wie Offenheit für alles bedeuten soll. Man soll den Blick für die alltäglichen Geschehnisse schärfen und wie ein Kind auf die Welt schauen. Die Eindrücke werden dann in einem bunten Prisma gebündelt.

Am Duden-Buch selbst gefällt mir die raue Beschaffenheit des Buchdeckels und -rückens. Das handliche A5-Format und natürlich die abgerundeten Ecken. Oh ja, viel mehr Bücher sollten abgerundete Ecken haben!

Praktisch: Die Schreibaufgaben sind farblich markiert, so dass man sie mit einem Blick auf den Rand findet und gezielt aufschlagen kann.

Mit dem Tagebuchschreiben will ich mehrere Ziele verfolgen. Daher werde ich mich nicht für einen speziellen Stil entscheiden. Listen, Stichpunkte sind praktisch und kurz.

Von Anfang an geht es um Listen von Büchern, die sie [Susan Sontag] zu lesen sich vorgenommen hat, um das Hören und Beurteilen von klassischer Musik und um die Malerei der Moderne, die sie in den unterschiedlichsten Museen der Welt aufsuchen will. Sich über Sachverhalte, Konstellationen, Urteilsbegründungen und Debatten aller Art klar zu werden ist ein Zweck des Tagebuchs, das sie führen wird.

So lassen sich Geistesblitze oder „Raketen“ (Charles Baudelaire) gut notieren. Manchmal möchte man aber vielleicht einen Traum oder eine Stimmung festhalten – da muss dann schon ein wenig erzählt werden. Mein „Lektüretagebuch“ wird dieser Blog bleiben.

Ein anderes, im Buch vorgestelltes, wie ich finde, überaus interessantes Projekt, wenn wir von Lektüretagebüchern sprechen, scheint Jochen Schmidts Blog über seine Marcel-Proust-Lektüre zu sein (mittlerweile auch in Buchform erschienen). Der Reiz hier ist das etwas eingestaubte Proust-Buch im Kontrast zur modernen Schmidt-Rezeption.

In Zukunft sollen hier auf dem Blog auch mal politische Themen besprochen werden. Notizen zu diesen Themen sind jedoch auch in meinem privaten Tagebuch gern gesehen.

Es geht nun aber nicht mehr um die pure Selbstenthüllung, sondern um die Durchdringung von Ich und Welt, wie sie im Klangraum der eigenen Wahrnehmung erscheint und mittels der Schrift aufbewahrt werden soll.

In jedem Fall ist Tagebuchschreiben ein selektiver Prozess. Es wird genau ausgewählt, was aufs Papier kommt. Viel wichtiger noch:

Schreiben schafft Bedeutung und damit Wirklichkeit über die Modellierung von Formen. „Eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen“, sagt Wittgenstein […].

Das habe bereits in diesem Beitrag beschrieben.

Damit all das in später noch durchschaubarer Weise ins Tagebuch wandert, ist ein System vonnöten. Klar, Datumsangaben helfen. Darüber hinaus können Themen wie „Traum“ mit „T:“ oder „Ideen“ mit „I:“ markiert werden. Gesellschaftlich Relevantem oder Politgeschehen kann ebenfalls ein Kürzel wie „P:“ zugewiesen werden. Auch farbliche Hervorhebungen (Schreibfarbe) sind möglich. Einrahmungen, Unterstreichungen und schließlich auch Haftnotizen in verschiedenen Farben sind denkbar, um bestimmte Einträge hervorzuheben. Wer möchte, kann auch Zeitungsausschnitte, Glückkekszettel, Fahrkarten oder was auch immer mit ins Tagebuch kleben.

Am Ende entsteht so eine ganz persönliche Chronik mit Gedanken und Ideen vor dem Kontext des „Weltgeschehens“, das man selektiv mit ins Buch genommen hat. Später kann es sehr reizvoll sein, noch mal in diesen Skizzen, Stichpunkten und Kurzerzählungen zu lesen. Manches möchte man vielleicht zu einer „richtigen“ Geschichte ausformulieren.

Schreibst Du Tagebuch? Und wenn ja, dann täglich oder nur sporadisch?

Was kommt bei Dir ins Tagebuch? Erzähl doch mal! Ich bin gespannt.

 

Der perfekte Start in den Schriftstellertag (Rezension)

In Anbetracht dessen, dass nun die Arbeit an meinem ersten Buch auf Hochtouren läuft, während ich nebenbei trotzdem weiter Auftragsarbeiten als Texter erledige, brauchte ich einen Tipp, wie ich meine Schreibarbeiten organisieren kann.

Ein Bekannter wies mich auf Hal Elrods Buch „Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert“ hin. Der Klappentext erklärt – für meinen Geschmack – etwas prahlerisch:

Hal Elrod hat ein genial einfaches Morgenprogramm entwickelt, dass sein eigenes Leben und das seiner vielen Fans und Leser um 100 Prozent verbessert hat. Wenn Sie Miracle Morning praktizieren, werden Sie endlich Ihr volles Potenzial ausschöpfen können – und zwar in allen Lebensbereichen.

Na, wenn das mal kein vollmundiges Versprechen ist! Auch wenn es sich hierbei sicher nicht um eine Schreibanleitung handelt, dachte ich, womöglich den nötigen Anstoß und ein paar praktische Tipps für meinen schreiberischen Alltag im Buch finden zu können.

Einleitung: Wie es zu dem Buch kam

Der Urheber des Buchs ist weder begnadeter Autor, noch sonst wie groß schriftstellerisch begabt (sagt er auch selbst). In der Einleitung erfahren wir darüber hinaus noch einiges mehr über Hal Elrod. Nach einem Nahtoderlebnis (Autounfall) und mit seinem drohenden finanziellen Ruin vor Augen hat er irgendwann beschlossen, sein Leben komplett umzukrempeln. Dieser eine Satz hätte beinahe genügt, um zu verstehen, wie Hal Elrod zum Buchschreiben gekommen ist. Doch stattdessen wird der Leser mit allerlei, wie ich finde, belanglosem Zeug besudelt.

Besonders ging mir die Beschreibung der ach so steilen Erfolgskurve beim Staubersaugervertreterverein Cutco auf die Nerven. OK, zugegeben, Cutco vertreibt keine Staubsauger, sondern Messersets – aber das Verkaufsprinzip des Klinkenputzens ist dasselbe. Dieser Firma mit der blödesten aller Vertriebsstrategien, die schon etliche junge Menschen in den Ruin oder Wahnsinn getrieben hat (schließlich muss man die Ware erstmal selbst anschaffen und bezahlen, bevor man damit Geld verdienen kann), hat Hal Elrod also ach so viel zu verdanken …

Doch selbst wenn ich darüber einmal hinwegsehe – und das musste ich ja, um irgendwie in das Buch zu kommen, ließ sich die All-American-Tonalität à la „You can make it happen“ beim Lesen nur schlecht ignorieren.

Die primäre Fähigkeit eines Menschen, der Einfluss nehmen will, besteht in dem richtigen Bemühen, andere davon zu überzeugen, dass er oder sie der wichtigste Mensch auf der Welt ist.

Das Buch könnte bei solchen Aussagen auch „Anleitung zum Egoismus“ heißen …

Mir ging jedenfalls diese Filmszene während des Lesens einfach nicht aus dem Kopf:

Hauptteil: Warum wir unser volles Potential nicht entfalten – laut Hal Elrod

Hal Elrod identifiziert in seinem Buch mehrere Gründe, warum wir nicht unser, wie er es nennt, „10 Punkte“-Leben führen. Auf einer Skala von 1 bis 10 dümpeln wir in vielen Lebensbereichen wohl eher bei einer mittelmäßigen 5 oder 6 herum. Wir sind unzufrieden im Job, gesundheitlich könnte es uns besser gehen und auch in der Beziehung scheint manchmal einfach die Luft raus zu sein. Laut Hal Elrod sind wir mittelmäßig bzw. in der Mittelmäßigkeit gefangen.

Wenn Hal Elrod dann immer wieder Persönlichkeiten wie Bill Gates, Oprah Winfrey oder Steve Jobbs als Erfolgsvorbilder listet, will mir nur noch schlecht werden. Das sind die Reichen und meist weniger Schönen (innen wie außen), die wahrscheinlich auch Mittelmäßigkeit und Arbeitsunwillen für steigende Arbeitslosenzahlen verantwortlich machen. Nein, ausbeuterische Umstände und die Profitgierde der oberen 1 Prozent können es nicht sein, oder?!

Einen der maßgeblichsten Gründe für ein mittelmäßiges Leben bezeichne ich als das „Rückspiegelsyndrom“. Unser Unterbewusstsein ist mit einer Art Rückspiegel ausgestattet, der nur einen Ausschnitt unserer selbst zeigt.

Warum?

Es mangele an Zielsetzung, Dringlichkeit (mangelnder Leidensdruck) und Verantwortungsbewusstsein. Uns fehle ein „Rechenschaftspartner“, dem gegenüber wir verantwortlich sind und der uns den nötigen „Arschtritt“ gibt. Unser eigenes Umfeld ziehe uns dank seiner Mittelmäßigkeit ebenfalls in die Mittelmäßigkeit. Also würden wir uns zu wenig entwickeln.

Ganz schön hart, nicht?

Wie kommen wir aus der Misere raus? Klar, wir brauchen einen „Rechenschaftspartner“ (so ein blödes Wort!) und wir müssen früher aufstehen.

Dann fragen Sie doch mal die folgenden Frühaufsteher: Oprah Winfrey, Bill Gates, Deepak Chopra, Wayne Dyer, Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, Albert Einstein und Aristoteles (gut, einige davon können Sie nicht mehr fragen …)

Wer früher aufsteht, so Hal Elrod, hat Zeit für den Miracle Morning. Doch was ist das eigentlich, der Miracle Morning?

Miracle Morning – so geht’s

Der Miracle Morning beginnt bereits am Abend vorher. Wer besser schläft, kommt früher raus. Leuchtet ein. Wie wir aufstehen wollen, sollen wir uns vor dem Zubettgehen mit Affirmationen selber sagen. Anregungen für „bedtime affirmations“ gibt es zum kostenlosen Download (bei Anmeldung!) auf der Autorenwebsite. Da wären wir bei einem weiteren Kritikpunkt angekommen: Ich habe die Eigenwerbung irgendwann nicht mehr gezählt. Jedenfalls ist das Buch gespickt mit „… finden Sie kostenlos unter …“-Angaben.

Anfangen in 5 Minuten

Aufstehen, Zähneputzen, ein Glas Wasser trinken und rein in bequeme Sportbekleidung! So fängt der Miracle Morning angeblich in 5 (!) Minuten an. Allein fürs Beißerchenputzen brauche ich aber mindestens 3 Minuten.

Der Miracle Morning: Die 6 Life S.A.V.E.R.S.

S wie Silence (Stille)

Nachdem man in seine Yoga- oder Jogginghose geschlüpft ist, die Zähne sauber sind, die Wasservorräte aufgefüllt wurden, sucht man sich einen netten Ort, wo man in Stille sitzen kann. Jeden Morgen sollte man 5 Minuten meditieren, um den letzten Tag Revue passieren zu lassen und den neuen Tag zu begrüßen.

Es ist übrigens ein Irrglaube, den auch Hal Elrod vertritt, dass man durch Meditation Ruhe findet. Um effektiv zu meditieren, das erklärt Shaolin-Großmeister Wong Kiew Kit in seinem Buch „The Complete Art of Zen“ sehr schön, muss man zunächst mal ruhig sein. Meditieren muss man lernen. Dann kann es ein sehr erleuchtendes Erlebnis sein, sich der Stille hinzugeben. Daher tun sich vor allem Meditationsanfänger zunächst sehr schwer. Das ist aber normal.

A wie Affirmations (Affirmationen)

Die nächsten 5 Minuten sollen auf Affirmationen verwendet werden. Persönliche Glaubenssätze oder Ziele, die man sich vorgenommen hat, sollten am besten laut ausgesprochen werden, um sie im (Unter-)Bewusstsein zu verankern.

Es ist kein Zufall, dass einige der erfolgreichsten Menschen unserer Gesellschaft – Prominente wie Will Smith, Jim Carrey, Muhammad Ali, Oprah Winfrey und viele andere – immer wieder öffentlich verlauten ließen, positives Denken und der Gebrauch von Affirmationen habe ihnen den Weg zu Erfolg und Wohlstand geebnet.

Wie bekommt man Größen wie Muhammad Ali mit Ausverkäufen wie Oprah Winfrey bloß in einen Satz?!

V wie Visualization (Visualisierung)

Gesetzte Ziele sollte man stets vor Augen haben – nicht nur vor dem inneren Auge. Am besten legt man sich eine Pinnwand oder ein Whiteboard zu, wo man Bilder, Sätze, Zeichnungen rund um sein (Lebens-)Ziel versammelt. Natürlich ist diese Motivationswand auch Veränderungen unterworfen und darf regelmäßig an die persönlichen Ziele angepasst werden.

E wie Exercise (Bewegung/Sport)

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Frühsport. Seit dem neuen Jahr (völlig unabhängig von dem Buch) beginne ich ohnehin jeden Morgen mit 20 bis 40 Minuten Yoga. Hal Elrod empfiehlt 20 Minuten Bewegung. Das kann eine Runde Joggen um den Block bedeuten oder es können Hampelmänner sein. Wer Gewichtheben mag, macht das oder man macht Yoga, was Hal Elrod neben Laufen (womit ich mich nicht anfreunden kann) ganz besonders empfiehlt. Doch auch hier kommt der US-Bestsellerautor nicht ohne Superlative aus:

Dashama [Hal Elrods Freundin] ist tatsächlich die authentischste, spirituellste, pragmatischste und überhaupt effektivste Yogalehrerin, der ich je begegnet bin.

R wie Reading (Lesen)

Die nächsten 20 Minuten sollten der Lektüre (eines Ratgebers) gewidmet werden.

S wie Scribing (Schreiben)

Abschließend formuliert man in etwa 5 Minuten seine Vorhaben für den Tag. Damit kommt das eigentliche Schreiben bei Hal Elrod also recht kurz.

Er schreibt aber, dass es sich a) bei dieser Reihenfolge, aber auch b) bei den Zeitangaben und c) selbst bei den Tätigkeiten lediglich um Empfehlungen handle. Man kann also seinen ganz persönlichen „Miracle Morning“ gestalten, Schwerpunkte anders setzen, usw.

Mit den sogenannten „Life S.A.V.E.R.S.“ hat Hal Elrod nun versucht, das Rad neu zu erfinden. Denn weder Meditation, noch Affirmationen oder Visualisierungen, Frühsport, Lesen oder Tagebuchführen sind jetzt bahnbrechende Innovationen. Das gab es schon immer. Doch wie sieht es mit der Kombination aus? Ich persönlich kann mit dem morgendlichen, Multi-Kickstart-Programm nur wenig anfangen. Trotzdem hat mich das Buch zu ein paar Überlegungen und Neuerungen in meinem Schreiballtag gebracht. Na, immerhin! Dazu gleich mehr.

Zusammenfassung

  • „Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert“ von Hal Elrod
  • Ratgeber für einen guten Start in den Tag. Frühaufstehen als lebensverändernde Maßnahme
  • Taschenbuch
  • empf. VK-Preis: € 17,99 [D], € 18,50 [A], CHF 24,50
  • erschienen am 12.09.2016
  • ISBN: 978-3-424-15311-8

Ich bedanke mich beim Irisiana-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Mein persönlicher Start in den Tag

Mein Leben verändert hat das Buch nun nicht. Völlig unabhängig davon habe ich jedoch gemerkt, wie mir das morgendliche Yoga-Programm, was ich für mich selbst gefunden habe, guttut und mich in Schwung bringt. Für gewöhnlich kann ich dabei Meditation, Stille und Yoga bereits kombinieren. Ohne, dass ich es wusste, habe ich also eh schon einen halben „Miracle Morning“ für fast einen Monat betrieben, bevor ich das Buch zu lesen anfing.

Eine neue Sache konnte ich jedoch tatsächlich aus dem Buch für mich mitnehmen. Nein, es waren weder Affirmationen oder Visualisierungen, noch das morgendliche Ratgeberlesen, sondern Tagebuchschreiben, das ich mir jedoch für den Abend vornehmen will.

Ich habe mir jetzt ein Buch vom Duden-Verlag bestellt, indem verschiedene Tagebuchschreibtechniken für Autoren vorgestellt werden. Das hilft mir hoffentlich, tatsächlich mehr Ordnung in meinen Schreiballtag zu bringen und Aufgaben effizienter zu erledigen. Schließlich hänge ich mit meinem Buch eigentlich hinterher und ich habe noch so viele Ideen in der Schublade, die nur darauf warten, mal raus zu dürfen!

Abend genauso wichtig wie Morgen

Abschließend habe ich für mich festgestellt, dass es sehr stark vom Abend abhängt, wie ich am Morgen aus dem Bett komme. Ich nutze mittlerweile den Abend für eine separate Meditation oder eine beruhigende Yin-Yoga-Routine. Folgende Dinge haben sich bei mir bewährt, die in Hal Erods Buch aber nicht zu finden sind:

  • kein Social-Media-Checken vor dem Schlafengehen
  • kein Computer oder Laptop im Schlafzimmer
  • kein grelles Licht vor dem Schlafengehen
  • ein Glas Wasser auf dem Nachttisch
  • Stoßlüften vor dem Schlafen
  • Heizung runterdrehen

Welche Tipps für einen guten Start in den Schriftstellertag habt Ihr so parat? Ich bin gespannt.

 

Autorenwahnsinn: Monatliche Schreibziele

Leider habe ich im letzten Monat verpasst, am Autorenwahnsinn von Schreibwahnsinn mitzumachen. Ich habe lediglich mitverfolgt, was andere so zu schreiben hatten.

Zum Glück geht der Autorenwahnsinn auf vielfachen Wunsch hin mit Februar 2017 in die nächste Runde. Jede Woche gibt es wieder ein Thema, zu dem sich Schreibwütige äußern können. Einfach mit dem Hashtag „Autorenwahnsinn“ auf den Blog stellen oder mit selbigem Kennzeichen bei Twitter, Facebook oder Instagram zirkulieren lassen.

Mein Schreibziel für Februar steht fest: Ich muss endlich den Histaminintoleranz-Ratgeber fertigstellen. Ab dem Wochenende beginnt bei mir tatsächlich der Schreibwahnsinn: Für die nächsten Wochen werde ich fast nichts anderes machen. Die insgesamt drei Teile des Buchs (Einführung, Praxis und Rezepte) sind bis auf den letzten Teil von „Praxis“ und die Rezepte so gut wie fertig.

Nach Abschluss der Rohfassung geht es ab voraussichtlich März dann in die Korrektur und danach zum Verlag und anschließend hoffentlich in Druck, um schließlich in den Buchläden bereitzuliegen.

Roman? Autobiografie? Autobiografischer Roman! (Rezension)

Warum schreiben wir eigentlich?

Es gibt viele Gründe, etwas Verschriftlichtes für die „Nachwelt“ festzuhalten. Vielleicht wollen wir uns später an wichtige Momente unseres Lebens erinnern und schreiben deshalb Tagebuch. Vielleicht wollen wir den Überblick über gesellschaft-politisches oder kulturelles Geschehen behalten? Dann bietet sich eine Chronik oder ein Archiv an, wo wir Relevantes nach Kategorien geordnet sammeln können. All diese Scheibformen sind jedoch nicht nur reflexiv – wir reflektieren uns und unsere Umgebung, sondern auch nach innen gerichtet – introspektiv. Der eigene Blick auf die Welt bzw. wir selbst stehen im Vordergrund des Geschriebenen, das zunächst einmal nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Wir fertigen Notizen und Erinnerungen an, die nur wir oder höchstens ein ausgewählter Leserkreis lesen dürfen. Die Ausnahme bilden posthum veröffentlichte Tagebücher, sei es von Autoren oder anderen berühmten Persönlichkeiten. Ich denke hier zum Beispiel an „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder „A Writer’s Diary“von Fjodor Dostojewski.

Tatsächlich beginnen viele Schreibtalente mit solchen Aufzeichnungen über die Realität und derartigen Reflexionen des Erlebtem ihre Schreibkarriere. Sie beginnen (Reise-)Tagebücher und Essayistisches aufzuschreiben, bevor sie sich größeren Schreibprojekten und dem Fiktivem zuwenden.

So ähnlich und doch ganz anders war das bei Hanns-Josef Ortheil. Dieser zeitgenössische, deutsche Autor beschreibt in „Der Stift und das Papier: Roman einer Passion“seinen Weg zum Schriftsteller – oder Autor. Zweiteres gefällt mir besser. Das dem Griechischen entlehnte Wort Autor von αὐτός = selbst klingt selbstständiger und weniger nach Schreiberling für irgendein Käseblatt, das Schriften, also Auftragsarbeiten, erstellt. Vom Griechischen ist das Wort ins Lateinische übergegangen, wo passend zum Adjektiv αὐτός das Substantiv auctor = Urheber, Schöpfer entsteht, also jemand, der aus sich selbst heraus etwas (er)schafft.

Es liegt also irgendwie bereits im Worte, dass wir stets aus uns selbst heraus schreiben, bevor wir für jemanden schreiben.

Schreiben als Passion, Sucht und zur Selbsthilfe

Manchmal wird das Schreiben und damit auch das Autordasein aus der Not geboren. So ist es bei Hanns-Josef Ortheil im Extremen gewesen und so ist es bei den meisten in wenngleich abgeschwächter Form. Auch für mich ist Schreiben stets ein sicherer Rahmen, ein Rückzugsort gewesen, wo ich aus der großen, weiten Welt Sinn für mich im kleinen Stil machen konnte.

Hanns-Josef Ortheil ist „das Kind, das schreibt“. Während er die ersten Jahre seines Lebens stumm gewesen ist. Genau wie seine Mutter, der es nach dem Verlust dreier Kinder die Sprache für lange Jahre verschlagen hatte, spricht Hanns-Josef als junges Kind nicht. Kurz bevor er eingeschult werden soll, beginnt zunächst sein Vater ein Projekt, das später auch die Mutter, die zu dem Zeitpunkt bereits wieder spricht, wenn auch nur wenig, auf ihre Weise unterstützen wird: Eine Schreibschule der besonderen Art: Ohne universitäre Anleitung oder Vorbildung nach gewissen Normen oder sonstwas lehrt der Vater dem Jungen die Welt der Worte. Wohlgemerkt der Worte und nicht der Buchstaben! Denn das Erlernen einzelner Buchstaben macht für den Jungen einfach keinen Sinn, aber Worte, die haben Sinn und Bedeutung. Tja und genau darum geht es in „Der Stift und das Papier“. Um die Geschichte, wie der Junge, der einst nicht gesprochen hat, nun über das geschriebene Wort auch das gesprochene entdeckt. „Roman einer Passion“ lautet der Untertitel, doch ist das hier ein Roman? Und wenn ja, was für einer? Ist es nicht eine Autobiografie bis zum jungen Erwachsenenalter? Ein autobiografischer Roman? Ein Künstlerroman über den späteren Autor? Ein Entwicklungs- oder Bildungsroman, der uns die Entwicklung vom „Kind, das schreibt“ zum Autor nachvollziehen lässt? Irgendwie alles ein bisschen.

Anleitung zum Schreiben

Daneben ist das Buch aber noch mehr und geht über die Geschichte von einem Jungen, Hanns-Josef Ortheil (den man wirklich mit Doppel-N schreibt), hinaus und lässt auch uns Leser an der zunächst nur väterlichen Schreibschule, später elterlichen Schreibschule, teilhaben. Somit ist „Der Stift und das Papier: Roman einer Passion“ auch ein Handbuch, ein Leitfaden und ein Wegweiser für Schreibinteressierte und Schreibwütige. Wer das Buch überall mit hinnimmt, weil es eins der Lieblingsbücher geworden ist (ja!), mag es auch als Vademecum bezeichnen.

Der Vater im Buch (großer Hemingway-Fan, Geodät, Logiker mit genauen Vorstellungen von allem und der Welt, mit striktem moralischen Kompass sowie einer gehörigen Prise Begeisterungsfähigkeit) erinnert mich gleich zu Beginn, als ich all das in Klammern Geschrieben (bis auf Geodät) noch nicht weiß, ein bisschen an meinen eigenen Vater. Der ist Ingenieur gewesen (jetzt im wohl verdienten Ruhestand), wollte aber eigentlich mal Karikaturist oder Pilot werden. Ein kreativer Logiker vielleicht? Oder ein logisch veranlagter Kreativer? Wie auch immer. Entzündet wurde die Erinnerung oder der Vergleich mit dieser fabelhaften Textstelle:

Papa streicht mit der Hand über das milchige, dünne Papier. Er prüft, ob es auch wirklich fest und straff sitzt. Ich sitze neben ihm und streiche jetzt auch über das merkwürdige, fremde Papier. Es bedeckt den Tisch wie eine Haut. […] Jedenfalls fühlt sich dieses Papier sehr gut an, und es sieht auch nicht so abweisend und streng aus wie normales weißes Papier.

Gemeint ist Pauspapier, das der Vater für die Arbeit benötigt. Ich habe seit jeher eine besondere Vorliebe für kariertes Papier zum Schreiben und Millimeterpapier, weil das bei uns immer vorhanden war. Daneben hat mein Vater manchmal großflächiges Papier, das als Schreibtischunterlage diente, mit nach Hause gebracht. Da konnte man sich ganz anders entfalten als auf liniertem Papier (das hasse ich) oder „normalem weißen Papier“.

Es dauert eine Weile, bis ich alle Stifte gut gespitzt habe. Sie liegen jetzt dicht nebeneinander, wie eine Mannschaft, die zu einem Spiel antreten soll. Papa nimmt einen Stift nach dem andern in die rechte Hand und zieht mit jedem eine gerade Linie. Die Linien verlaufen genau untereinander und sind etwa gleich lang. Dann legt er die Stifte wieder hin und lässt mich ebenfalls lauter Linien untereinanderziehen. Plötzlich bemerke ich, dass die Stifte nicht gleich, sondern sehr verschieden sind. Einige sind hart und kratzen über das Papier, andere sind aber zu weich und dick, so dass keine dünnen, feinen, sondern breite und verschmierte Linien entstehen. Papa zeigt mir, dass auf jedem Stift einige Buchstaben und Zahlen stehen: HB, 2B, 3B … Dann zieht er noch einmal mit jedem Stift eine Linie und schreibt die Buchstaben und Zahlen, die zu dem Stift gehören, neben die Linie. Er sagt, ich solle so wie er noch einmal alle Stifte benutzen und Linien ziehen, aber ganz vorsichtig, „hauchdünn“. Als er „hauchdünn“ sagt, zieht er die Schultern etwas hoch.

Und ja, Ihr habt es erraten. Ich liebe es mit Bleistift zu schreiben. Bis vor der Lektüre hätte ich auch nicht den Finger darauf legen können, warum. Aber es ist genau die besondere Haptik vom Bleistift auf Papier. Das Geräusch, das leichte Absplittern von Graphit, wenn man etwas stärker aufdrückt, das Durchdrücken/die Spuren, die dabei auf der Rückseite des Papiers entstehen und der ganz eigentümliche Geruch von Bleistift. Und ja, zugegeben, auch der Geschmack … Ich bin ein Bleistiftkauer, wenn ich nachdenke.

So sieht man mich nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Korrigieren (hier Bachelorarbeit) stets mit Bleistift.

Daneben mag ich Füllfederhalter. Die altmodischen. Die ohne Patronen. Also die, welche aus dem Fass direkt mit Tinte befüllt werden. Die auf Englisch so liebevoll „fountain pen“ genannt werden – wörtlich: Springbrunnenstift. Hat doch was? (Die einem beim Schreiben so schön die Hände einsauen.)

Meine Mutter ging das Schreiben, Zeichnen und andere verwandte Gestaltungsformen stets etwas chaotischer an als mein Vater. Sie hat mich, daran erinnere ich mich gut, noch vor dem Einschulalter regelmäßig mit Schreib- und Malmaterial aller Art versorgt. Der riesige Wohnzimmertisch, der eigentlich Esstisch war, wurde zum kreativen Refugium. Hier hat sie buntes Tonpapier, Kleber, Wachsmalkreiden und was nicht alles verteilt und dann hieß es: „Nun mach mal“. Ich hatte völlig freie Hand und konnte kritzeln, malen, kleben, zusammenfügen, was ich wollte. Dabei konnte ich die unterschiedlichen Eigenschaften von Papier und Stiften genau erkunden und erproben, so dass ich eigene Lieblinge entwickeln konnte. Filzstifte finde ich zum Beispiel doof, aber Tuschefarben und Buntstifte sind was Feines. Der feste Tonkarton erlaubt auch das Schreiben und Malen mit harten Stiften, ohne dass er reißt. Kombiniert man Komplementärfarben oder mischt Farben, entstehen tolle Kontraste oder interessante Farbspiele.

In Zeiten wie diesen, in denen immer mehr ABC-Schützen das Handschreiben schon gar nicht mehr beigebracht wird oder eine lapidare handgeschriebene Druckschrift anerzogen wird, sind gutes Schreibwerkzeug und ein Freiraum (meist zuhause) für kreatives Gestalten und vor allem Erkunden sowie Entdecken nach individuellen Vorstellungen besonders wichtig. Also danke, Mutti. Jeder sollte ab und an mal Stifte in die Hand nehmen, nur um festzustellen, wie der Kopf dabei ganz anders „synapsiert“.

Genau dieses Tempo der Schrift mit Hilfe der Maschine irritiert mich. Ich nehme mir deshalb vor, niemals mit zehn Fingern, sondern immer nur mit den beiden Zeigefingern zu schreiben. Dann eilt das Tippen meinem Denken nicht davon, sondern begleitet es. (Bis heute habe ich mich an diese Art des Tippens gehalten, selbst an einem Laptop tippe ich mit zwei Fingern, was unter lauter gut erzogenen Zehnfinger-Tippern, zum Beispiel in ICE-Zügen, einen skurrilen, altmodischen Eindruck macht.)

Egal! Denn:

Versuche ich nämlich, einen eigenen, gerade entstehenden Text zu tippen, so lenkt mich das Tippen jedes Mal ab. […] Ist der Text auf diese Weise getippt, scheinen die Hämmerchen mir zuzurufen: „Na und? Wie geht es weiter? Auf, los, mach doch!“

Tatsächlich haben Schreibmaschinen im Besonderen sowie auch Laptops in abgeschwächter Weise einen eigenen Schreibkopf, wie mir scheint. Das gilt aber auch für andere Medien:

Eine Postkarte ist viel besser als ein Telefongespräch. Ein solches Gespräch dauert höchstens ein paar Minuten und geht rasch vorüber. Da man sich während des Gesprächs beeilen muss, gerät man in Panik und redet lauter Unsortiertes. Man stammelt, wiederholt sich und spricht, wenn man steckenbleibt, über das Wetter.

Für mich ist das Schreiben (im Gegensatz zum Texten – ich unterscheide da strikt, wie zwischen Schriftsteller und Autor oder Texter und Autor) keine Pflicht, sondern Genuss, meist sogar Sucht.

Nein, das Schreiben ist keine „Arbeit“, sondern eine Abwechslung, schließlich kann ich ja nicht laufend gehen, stehen, essen, trinken, weitergehen, stehen, sehen, essen, trinken, laufen, schnaufen … Das wäre furchtbar langweilig und eintönig. Erst das Schreiben bringt in das Leben die nötige Abwechslung, viele Gedanken und auch reichlich Freude.

Kein Wunder also, dass für Hanns-Josef Ortheil sowie für mich das Schreiben ein Muss ist und mehr noch: ein Wollen.

Jetzt, am Ende dieses langen Textes, weiß ich, warum das Schreiben zu meinem einzigen, wie für mich geschaffenen Metier geworden ist: Es versetzt mich in meine stumme Kindheit zurück, und es macht aus mir „das Kind, das schreibt“. Schreiben ist für mich ein durch und durch kindlicher Akt, der aus dem stummen Dunkel in eine lebendige, helle Gegenwart führt. Höre ich damit auf, erlischt diese Empfindung sofort. So dass ich – möglichst bald und möglichst ohne längere Unterbrechung – wieder mit dem Schreiben beginnen muss.

Zusammenfassung

  • „Der Stift und das Papier: Roman einer Passion“ von Hanns-Josef Ortheil
  • Buch über das Schreiben und vom Autorsein und -werden
  • gebundenes Buch mit Schutzumschlag
  • empf. VK-Preis: € 21,99 [D], € 22,70 [A], CHF 29,90
  • erschienen am 9.11.2015
  • ISBN: 978-3-630-87478-4

Ich bedanke mich beim Luchterhand-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch vom Autor oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Noch ein Buch über Krebs? (Rezension)

Es kürzlich habe ich an dieser Stelle bereits ein Buch über Krebs besprochen. Die Rede ist vom New-York-Times-Bestseller „Bevor ich jetzt gehe“ vom Neurochirurgen Paul Kalanithi. Heute soll es ein weiteres Mal um diese epidemisch um sich greifende Krankheit gehen. „Doch was haben die ganzen Bücher über Krebs auf einem Schreibblog verloren?“, mag sich der ein oder andere fragen.

Zum einen sei erwähnt, dass ich selbst mit einem Krebspatienten lebe. Shaolin kam 2013 als Pflegekatze zu mir. Kurze Zeit später wurde die Diagnose „Nierentumor“ gestellt. Was zunächst als Todesurteil im Raum stand, ist nun ein Fakt wie viele anderen. Shaolin lebt mit dem Krebs und ich lebe mit Shaolin. Sie ist mittlerweile medikamentenfrei und wird nur noch mit Öl, Rotulmenrinde und Wasser behandelt. Hochwertiges Futter bildet die Grundlage für ihr Weiterleben.

Zum anderen hat der Krebs auch seine Schneise durch mein Umfeld gezogen und einige geliebte Menschen weggenommen.

Jede Zweite und jeder Dritter erkrankt mindestens einmal im Leben an Krebs

Statistiken zufolge erkrankt jede zweite Frau und jeder dritte Mann mindestens einmal im Leben an Krebs. Während ich kein großer Freund von Statistiken bin, bedeutet dies doch, dass heutzutage jeder jemandem im direkten Umfeld hat, der an Krebs erkrankt ist oder dieser Krankheit sogar auf fatale Weise zum Opfer gefallen ist.

Dadurch wird Krebs zu einem Thema, das uns alle (be)trifft. Böse Zungen würden Autoren vorwerfen, Krebs gäbe einen „fabelhaften Stoff“ her. Hier lassen sich Geschichten mit Tragweite erzählen. Schließlich geht es um die ganz großen Fragen, um Leben und Tod. Doch das klingt ein wenig kühl, kalkulierend, ja, schlichtweg kaltherzig. Kommen wir also weg von dieser Rhetorik und sagen einfach: „Die besten Geschichten schreibt das Leben.“

Erzähle dieselbe Geschichte immer wieder neu

Durch die Karriere vieler Autoren zieht sich meist ein und dasselbe Thema, sei es Tod, Angst, Außenseiterdasein, … Achte mal darauf! Autoren erzählen quasi die immer gleiche Geschichte in vielen Varianten oder immer wieder neu. So dreht es sich bei Dostojewski beispielsweise immer wieder um Fragen nach den Grenzen des menschlichen Bewusstseins und Tuns. Wozu ist der Mensch fähig? Inwieweit bestimmen Umstände unser tun? Vielleicht sind diese Fragestellungen auch naheliegend, wenn einen Epilepsie immer wieder ans Krankenbett fesselt und Geldnöte zu wagmütigen Gedankenspielen verführen.

Man denke nur an mein Lieblingsbuch „Der Idiot“, wo es die schöne Nastasja fertigbringt, zwei Männer an den Rande des Wahnsinns zu treiben oder wo einer – der „Idiot“ – nichts als Gutes will und doch nur Böses schafft. Tatsächlich hatte wohl auch Goethes „Faust“ einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Buch. Fantasie und Realität umarmen sich stets in einem anregenden Tanz.

Schaut man sich die großen Klassiker an, haben sich Tolstoi und Dostojewski beileibe nicht alles ausgedacht. Man denke nur an „Krieg und Frieden“. Vor der Kulisse des Vaterländischen Krieges bzw. dem Russlandfeldzug Napoleons breitet Tolstoi seine Geschichte aus, die über tausend Seiten und eine erzählte Zeit von mehreren Jahrzehnten umfasst. Ausgedacht sind lediglich die individuellen Liebesgeschichten, während Fakten den historischen Rahmen bilden.

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität, um ins Fantastische abzuheben

In einem Schreibseminar zum Thema „Kinderbücher schreiben“ ist mir einmal geraten worden, möglichst realistisch zu beginnen, um dann ins Fantastische abheben zu können. Man muss sein Publikum erst einmal abholen, wo es steht.

So kann die Diagnose Krebs ein guter Ausgangspunkt für eine spannende Geschichte werden, die das Leben schreibt. So ist es jedenfalls der Britin Sophie Sabbage ergangen. Als Betroffene von Lungenkrebs im Stadium IV hat sie zunächst angefangen, einen Blog zu schreiben. The Cancer Whisperer ist jetzt in Buchform auf Deutsch erschienen.

Wie unterscheidet sich „Die Krebsflüsterin“von Paul Kalanithis Buch und gibt es Gemeinsamkeiten?

Beide Autoren kämpfen mit der früher und später fatalen Diagnose Krebs, doch ihr Umgang mit der Krankheit könnte unterschiedlicher kaum sein. Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten:

  • Beide stehen vor der düsteren Aussicht, durch den Krebs nicht nur das Leben, sondern auch die Chance zu verlieren, ihr Kind aufwachsen zu sehen.
  • Beide haben eine inhärente Liebe für das Schreiben.
  • Beide sind zuvor beruflich in einem Bereich tätig gewesen, wo sie Menschen geholfen haben. Paul Kalanithi war Neurochirurg. Sophie Sabbage ist als Mentalcoach tätig gewesen und gibt mittlerweile wieder Kurse für Krebspatienten.

Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Sophie Sabbage legt ihr Buch, anders als Paul Kalanithi nicht schon im Rückblick an. Sie schreibt keine Memoiren oder Erinnerungsstücke für ihre Tochter Gabriella. Sie schreibt nach vorn. Sie hat Hoffnung und ergibt sich nicht einfach ihrem Schicksal. Genauso wenig gibt sie sich nicht blind in die Hände von Ärzten. Sie hinterfragt die Therapievorschläge ihres Onkologen und öffnet sich für die Ansätze der alternativen Medizin:

  • Ozontherapie
  • hohe Vitamin-C-Infusionen
  • zuckerfreie, kohlenhydratarme Ernährung
  • etc.

Gleichzeitig zwingt sie dem Leser diesen Weg, der ihrer ist, nicht auf. Trotzdem können ihre Hinweise vielen dabei helfen, schneller ihren eigenen Weg im Therapielabyrinth zu finden. Sophie Sabbage weist richtigerweise darauf hin, wie schwierig es ist, nicht nur sich das Menschsein (vs. Patientsein) zu bewahren, sondern auch, wie kompliziert es ist, seinen eigenen Therapieplan durchzusetzen. Schließlich tut sich zwischen Alternativ- und Schulmedizinern eine tiefe Kluft auf. Heilpraktiker verteufeln die „Rausschneiden, verbrennen, vergiften“-Dokrin, während Schulmediziner ihre alternativmedizinischen Kollegen als Quacksalber bezeichnen. Der Patient (von lat. patiens = geduldig) bleibt dazwischen mit all den widersprüchlichen Informationen stehen und muss seine Entscheidungen selbst treffen und auch gegen beide Seiten durchboxen.

Sophie Sabbage hat einen Mix aus Schul- und Alternativmedizin als ihren Weg auserkoren. Sie betont im Buch aber immer wieder, keine Ärztin zu sein. Dass sie jedoch Mentalcoach war/ist, wird durchaus deutlich. Ich fand das zuweilen recht esoterisch angehauchte Palaver von „Tanz mit der Trauer“, „Was will mir der Krebs mitteilen?“, usw. etwas nervig. Negatives soll an die Oberfläche geholt werden und plötzlich soll es uns nachdem Rotz und Wasser raus sind, wieder gut gehen. Menschen, die solche Ansätze vertreten, haben vielleicht mit Problemen zu kämpfen, die sie sich selbst angetan haben, die sich auf diese Weise überwinden lassen, jedoch nicht mit fremder Gewalt. Das Wiederdurchleben solcher Traumata kann Betroffene maximal zurückversetzen und erneut verletzen – ich spreche aus Erfahrung. Demnach bin ich kein Fan der Psychotherapie um jeden Preis und für jedes Problem.

Zumal das Buch durch diesen fast psychotherapeutischen Ansatz stellenweise sehr widersprüchlich wird. Einerseits will sie nicht gegen den Krebs „kämpfen“, sondern ihn „annehmen“ und herausfinden, was er ihr „sagen“ will. Andererseits will sie die Krankheit besiegen und ihre Tochter aufwachsen sehen (also kämpfen). Doch vielleicht ist dieses Wechselbad der Gefühle nur realistisch und spiegelbildlich für jeden in dieser außergewöhnlichen Lage, in der man in den „Pistolenlauf“ schaut und dem Tod ins Auge blickt.

Diese Werbung für eigene Kurse und Seminare verdirbt das ansonsten relativ angenehme Lesevernügen – Sabbage hat einen herausragend metaphorischen Stil!

PS: Wenn man mit griechischen Vokabeln um sich wirft, sollte man deren Bedeutung auch wirklich kennen:

Die Zeit war eingefroren, war weder chronos – chronologisch und linear – noch kairos – expandierend und unbestimmt.

„Kairos“ bezeichnet einen glücklichen Zufall oder eine gute Gelegenheit, also einen kurzen Moment, den es zu nutzen gilt. Mit „Chance“ ließe sich das Wort noch am ehesten übersetzen. Darin liegt etwas Unbestimmtes, doch nichts Expandierendes. Denn „kairos“ ist vielleicht so lang, wie ein Wimpernschlag und dann ist er weg und damit extrem flüchtig – doch das nur am Rande.

Zusammenfassung

  • „Die Krebsflüsterin“
  • Lebensratgeber, um mit der Diagnose „Krebs“ umgehen zu können
  • empf. VK-Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A] | 26,90 [CH]
  • gebundene Ausgabe, erschienen am 19.09.2016
  • ISBN: 978-3-424-15314-9

Ich bedanke mich beim Irisiana-Verlag für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder vom Verlag, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.