Essay schreiben für Caroline-Schlegel-Preis 2017

Das Wort „Traktat“ ist mir erstmals in Hermann Hesses Buch „Der Steppenwolf“ über den Weg gelaufen, das wir in der Schule lesen mussten. Dort wird ein Kapitel mit „Traktat vom Steppenwolf“ betitelt. Traktat – das ist eine Art Abhandlung, ein Aufsatz, ein Essay, kurzum: Ein gedankliches Experiment, das in Worte gefasst wird. Was mir damals irgendwie an dem Roman gefiel, finde ich heute nur noch gekünstelt. Die Gefahr des Gekünstelten besteht übrigens ganz allgemein, wenn man ein Traktat verfasst. Um möglichst ausgefallen zu klingen, wird die Sprache ins Unermässliche gehoben, während meist der inhaltliche Gehalt hintangestellt wird. Als ich jedoch vom Caroline-Schlegel-Preis erfuhr, war meine Neugierde geweckt.

Sprache, Stil und Recherche – so soll ein Essay aussehen

Der vom Romantikerhaus Jena vergebene Essay-Preis stellt drei Anforderungen an die potentiellen Preisträger und ihr Werk. Der Text muss sich „durch ein hohes sprachliches und stilistisches Niveau und eine solide Recherche auszeichnen“.

Das Thema kann frei gewählt werden und sollte auf zehn bis fünfzehn Seiten abgehandelt werden. Eine dreiköpfige Jury entscheidet darüber, wer den Hauptpreis (5.000 Euro) und wer den Förderpreis (2.500 Euro) erhält. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2017. Ich werde mit einem Essay teilnehmen. Du auch?

 

 

 

Zwei praktische Tools für den Texter-Alltag

Als professioneller Texter werde ich dafür bezahlt, die richtigen Worte zu finden – Worte, die im Gedächtnis bleiben und einen guten Eindruck hinterlassen. Denn gut recherchierte Texte sind das, was interessante Internetseiten und Magazine ausmacht. Gut lesbare Texte sorgen für einen steten Leserzustrom, zufriedenstellende Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen. Damit das funktioniert, ist Unique Content gefragt. Wer plagiiert, verliert – vor allem wenn es um die Positionierung bei Suchmaschinen geht.

Mit Online-Tools vor Plagiaten schützen

Wer Texte vom ersten Buchstaben an selbst konzipiert, läuft im Grunde keine Gefahr zu plagiieren. Doch vor allem wenn man über ein Thema schreibt, das einem schon hundert Mal aus der Feder geflossen ist oder umgekehrt, wenn man sich völlig unerfahren auf einen neuen Themenkomplex stürzt, kann es vorkommen, dass man bewusst oder unbewusst, Formulierungen aus alten Texten oder Recherchequellen klaut.

Um sicher zu gehen, dass man nicht irgendwo Gehörtes oder Gelesenes nachplappert, kann man den fertigen Text vor der Veröffentlichung einfach durch eine kostenlose Plagiatskontrolle jagen. Online-Tools wie Plagium überzeugen in der Regel mit weiteren Funktionen wie beispielsweise dem Vergleichen von Texten. So kann ich auf einen Blick sehen, ob es Ähnlichkeiten zwischen Texten gibt.

Mehr als nur ein Texter: HTML-Codes nutzen

Obwohl der Texter-Alltag in erster Linie davon bestimmt wird, mit Worten zu jonglieren, ist das nicht alles, was ich mache. Viele Kunden möchten den Text fix und fertig geliefert bekommen, so dass sie ihn direkt veröffentlichen können. Gegen Aufpreis formatiere ich den Text daher auch gleich in die gewünschte Form – und das geschieht in der Regel mithilfe von HTML-Codes.

Die Grenze vom Texter zum Layouter und Webdesigner ist daher fließend. Nicht selten arbeiten kreative Köpfe gewissermaßen in Personalunion als Texter, Layouter, Web- und Grafikdesigner. Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, können grundlegende Kenntnisse in diesen Bereichen nicht schaden. Auf Wunsch kann ich so auch einfache Bildbearbeitungen vornehmen oder meine Texte in ein gewünschtes Format bringen. Vor allem die Formatierung in HTML wird häufig verlangt.

Zum Glück ist das gar nicht sooo schwer, wie es klingt. Eine umfassende Übersicht über die unterschiedlichen HTML-Codes bietet diese Webseite. Häufig liefert der jeweilige Auftraggeber eine eigene Formatvorlage, die lediglich mit Inhalt gefüllt werden muss. Bei umfassenden Tabellen wird es da jedoch schnell unübersichtlich – was kommt jetzt wo in welche Spalte?

Um den Überblick nicht zu verlieren, kann man die Vorlage (oder die eigens designte Seite) im HTML-Format hier eingeben. Die Seite spuckt im unteren Teil dann aus, wie die fertige Seite aussehen wird. Sehr praktisch. So schaffen es auch Texter, die eigentlich nichts mit Webdesign am Hut haben, fix und fertig gestaltete Texte für Online-Outlets zu liefern.

 

PDF-Dokumente ganz einfach verkleinern

Heute gibt es einen Beitrag aus der Kategorie „Praktische Gadgets für den Schriftstelleralltag“. Der angekündigte Helfer empfiehlt sich zudem insbesondere für Bewerber und Studenten.

PDF – der Dokumentenstandard

Studenten kennen das Problem, Texter schlagen sich damit herum und auch Du bist womöglich schon einmal an einem viel zu großen PDF verzweifelt. Grundsätzlich sind die mit dem Acrobat Reader zu öffnenden Dokumente eine feine Sache. Sie sind wesentlich kleiner als Word- oder Open-Office-Textdokumente und können nicht einfach so durch andere Personen verändert werden. Daher gilt PDF z. B. als Standard an Universitäten, wenn es darum geht, Abschlussarbeiten einzureichen.

Wenn PDF-Dokumente den Rahmen bzw. das Postfach sprengen

Sobald jedoch Bilddateien eingebaut werden, sprengen auch PDF-Dokumente schnell den Rahmen. Wer zum Beispiel eine Bewerbung per E-Mail mit angehängtem PDF-Dokument verschicken möchte, das neben Motivationsschreiben und Lebenslauf auch noch ein Foto oder gar Zeugniskopien enthält, wird dem Empfänger schnell das Postfach sprengen. Die Lösung?

PDF-Dokumente ganz einfach verkleinern

Das PDF-Dokument wird komprimiert und wie geht das? Ganz einfach. Ich stand erst kürzlich vor dem Problem, dass ich ein fünf Megabyte großes Dokument für den Acrobat Reader per E-Mail verschicken wollte. Um dem Empfänger nicht das E-Mail-Postfach zu verstopfen, habe ich mal das Netz durchforstet, was man denn in diesem Fall machen könnte und siehe da, man kann die schreibgeschützten Dokumente tatsächlich kleiner machen.

Die Seite, die ich gefunden habe, trägt den einleuchtenden Namen Small PDF und bietet einen Service, der hält, was der Name verspricht. Einfach Datei hochladen, kurz warten und die komprimierte Datei wieder herunterladen und abspeichern. Schon kann das Mini-PDF verschickt werden. Aus fünf Megabyte wurden bei mir kurzerhand 703 Kilobyte. Wow, wie praktisch!

Gegen Anmeldung und Bezahlung kann man den vollen Funktionsumfang nutzen, darunter Dinge wie Überführung zurück ins Word-Format, Ausgabe als JPG-Bild oder die Zusammenführung mehrerer PDFs in ein Dokument. Da ich diese Funktionen aber eigentlich nicht brauche, reicht mir das kostenlose Angebot vollkommen. Selbst PDFs muss ich nicht allzu häufig komprimieren. So genügen mir die zwei Frei-Komprimierungen pro 15 Minuten allemal. Hattest Du auch schon einmal das Problem, dass ein PDF-Dokument einfach viel zu groß wurde für den virtuellen Postverkehr?

 

Polly – Preis für politische Lyrik

In letzter Zeit habe ich Literaturwettbewerbe schwer vernachlässigt. In diesem Jahr möchte ich wieder an einigen teilnehmen. Gerade eben habe ich meinen Beitrag bei Polly – Preis für politische Lyrik eingereicht.

In diesem Jahr steht das Thema „Europa“ im Mittelpunkt. Gesucht werden poetische Texte, die sich kritisch mit dem Thema Europa/EU auseinandersetzen.

Aber nicht jedes Gedicht über das Schicksal der Flüchtlinge vom Mittelmeer oder zum Weltfrieden ist schon ein Gedicht zu Europa.

Es ist also Fantasie gefragt.  Bis zu drei Gedichte pro EinsenderIn sind erlaubt. Einsendungen an contact(at)pollypreis(.de). Teilnahmeschluss ist der 1. September 2017.

Meine drei Texte befassen sich jeweils mit der „Flüchtlingsvernichtung“ durch Frontex (klingt schon so!) und der sogenannten Finanzkrise und der daraus resultierenden Austeritätspolitik. Wovon handeln Deine Reime?

Ab nach draußen: Das Medienstipendium der Nationalparks Austria

Vitamin D ist wichtig für Zähne, Knochen und das Immunsystem. Bei guter Sauerstoffversorgung kann man besser denken. Damit hätten wir gleich ein paar gute Gründe genannt, öfter mal den Schreibtisch zu verlassen und an die frische Luft zu gehen. Doch im Großstadtdschungel macht spazierengehen nicht immer Spaß. Was fehlt, ist das satte, inspirierende Grün unberührter Natur!

Wie gut, dass die österreichischen Nationalparks bereits zum dritten Mal ein Medienstipendium für junge Autoren, Journalisten und Videokünstler vergeben. Zwei Wochen lang darfst Du einen Nationalpark unsicher machen. Das Stipendium inkludiert Unterbringung und Verpflegung sowie eine geführte Wanderung mit einem Ranger, der auf die Besonderheiten des jeweiligen Nationalparks aufmerksam macht.

Na dann, ab nach draußen!

Bewerben kannst Du Dich noch bis 31. März. Hier geht’s zur Ausschreibung.

 

Leben: Sterben lernen

Totenhemd lädt zum Schreiben über Sterben ein. Ohnehin ein Thema, das sich durch mein Schaffen zieht. Hier ist mein Beitrag (die genutzten Worte aus der Wortwolke sind fett markiert):

Leben: Sterben lernen

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen,
man weiß nie, was man bekommt.“
so ist mir der erste Satz erschienen,
um nicht zu sagen „prompt“.

Doch stimmt er denn?
So ohne Aber, ohne Wenn?
Da ist die Zutatenliste
und noch bevor man in die Kiste springt,
der Schachtel Bitterschokoladen entnimmt,
weiß man, was das süße Leben bringt.

Doch abseits vom Dolce Vita,
was weiß der Erdenmieter?
Das Glück liegt nur im Augenblick.
Nachher kriegst es nicht zurück.
Zwischen Reklamation und Reklame
wartet der Besuch der alten Dame.

Doch bevor es soweit ist,
wird viel geküsst,
gelacht, geweint, geschimpft, gestritten,
denn den Weg zum Fortgeschritten
geht jeder nur mit Fehltritten.

Und was das Kino uns nicht lehrt:
Das Leben ist’ne Wundertüte,
ein Sackbahnhof mit Endstation,
heiß begehrt,
doch meine Güte,
dass es endet,
weiß man schon.

Und im Morphinnebel fragt man sich:
Ist es nun vollendet oder nur das Ende?
Da pocht es gegen die Arterienwand –
und dann?
Herzstillstand.

Lese-Fortschritt-Widget für WordPress

Im Moment lese ich gerade Fjodor Dostojewskis 574 Seiten schweres Buch „A Writer’s Diary“. Meinen Lesefortschritt könnt Ihr ganz unten auf der Seite anhand des Widgets mitverfolgen. LovelyBooks und andere Leseplattformen bieten solche Widgets an – leider jedoch im Javascript, wodurch sie nicht für kostenlose WordPress-Accounts genutzt werden können.

Doch das Ganze geht auch in HTML und zwar so (die fett markierten Stellen bitte selbstständig „füttern“):

widget2

Diesen Code gibst Du in ein „Text“-Widget ein und füllst die entsprechenden Stellen. Das Feld „Platz für Eindrücke“ kann auch leer bleiben, wenn Du noch kein Urteil über das Buch fällen möchtest. Hier ist mein aktuelles Widget:

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(gefunden beim Pusteblume-Blog)

Musik und schreiben (mal wieder Autorenwahnsinn)

Mit etwas Verspätung möchte ich noch meinen Senf zum Autorenwahnsinn von letzter Woche abgeben.

Grundsätzlich höre ich sehr gerne Musik. Doch beim Schreiben muss ich unterscheiden, ob ich gerade kreativ schreibe oder zum Beispiel an einem Ratgebertext für die Arbeit sitze oder weiter über meinem Handbuch über Histaminintoleranz grüble, das irgendwie nicht recht fertig werden will …

Beim kreativen Schreiben mag ich Musik – gerne sogar mit Text. Klassische Musik, sofern es mich nicht allzu sehr aufwühlt, geht natürlich immer, aber manchmal darf auch gesungen werden. Momentan stehen Soul und Jazz ganz hoch im Kurs.

Ansonsten sind es generell Oldies, die hier aus den Lautsprechern dröhnen. Und wozu Musik beim kreativen Schreiben? Sie schickt meine Gedanken auf Reisen und manchmal ist es ganz spannend, wo ich am Ende gedanklich lande. Daher ist Musik vor allem für kurze Texte ein tolles gedankliches Transportmittel.

Wenn mir „richtige“ Musik zu viel beim Schreiben ist, mir aber die Totenstille Angst vor dem weißen Blatt macht, sorge ich mit Noisli für Hintergrundgeräusche.

Beim konzentrierten Arbeiten an längeren Texten (und Sachtexten) herrscht hier aber Funkstille.

Kann man (Jugendlichen) heute noch Krieg erklären?

Krieg – das ist ein Thema, das für uns hier (zum Glück) entweder weit weg oder sehr verstaubt klingt. In Deutschland oder Österreich sind wir zumindest nicht vor Ort in der eigenen Heimat in bewaffnete Konflikte verwickelt. Kein Bombenhagel in Berlin, kein Maschinengewehrfeuer in Wien. Dabei tobte noch vor nicht einmal 30 Jahren in nicht allzu großer Entfernung Krieg – inmitten von Europa: Das zerfallende Jugoslawien stand in Flammen und mit dabei? Zahlreiche NATO-Staaten unter US-amerikanischer Führung.

Und heute?

Seit Barack Obama noch 2008 versprach die Truppen aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen und für sein Versprechen von einer atomwaffenfreien Welt den Friedensnobelpreis einsackte, hat der ehemalige US-Präsident Luftangriffe bzw. anderweitige Militärinterventionen in sieben Ländern initiiert:

  • Afghanistan
  • Syrien
  • Irak
  • Libyen
  • Jemen
  • Somalia
  • Pakistan

Die Friedensnobelpreisdrohne war auch die, welche mehr Menschen deportiert hat als alle US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts zusammen. Und doch kommt er gegenüber dem neuen US-Präsidenten, der gerade nicht einmal 100 Tage im Amt ist, mit einem besseren Image davon. Aber er hatte ja bereits 2008 noch einen weiteren Preis abgeräumt, den AOL-gesponserten Marketing-Preis von Advertising Age. Und so ist es heute weniger Propaganda, als gut gemachte PR, hervorragendes Marketing, welches nicht nur das Kaufverhalten, sondern vor allem das Denkverhalten lenken soll. Begriffe werden auf geradezu orwellsche Weise verzerrt: Stabilität wird Destabilität. Frieden bedeutet Krieg. Moderate Rebellen sind in Wahrheit bewaffnete Terroristen und wer das sagt, sitzt den Fake News auf.

Tatsächlich bin ich nicht vor Ort in Syrien oder im Irak, doch die wenigsten, die mich als Lügner bezeichnen, sind dies ihrerseits gewesen. Im Gegensatz zu den meisten von ihnen nutze ich jedoch zu einem Großteil Quellen, die vor Ort waren oder sind, so wie die kanadische Journalistin Eva Bartlett oder der ehemalige CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer oder die RT-Korrespondentin Lizzie Phelan oder der australische Journalist und Filmemacher John Pilger. Wir sind auf solche Journalisten angewiesen, die uns durch ihre Kameralinse ein Fenster zur Welt öffnen. Ein Fenster zur Welt öffnen – das sollte auch gute Literatur.

Über Krieg reden

So habe ich mich gefreut, als ich vom Jugendbuch „Tausend Meilen über das Meer: Die Flucht des Karim Deeb“ erfahren habe. Das Jugendbuch für ein Publikum ab 12 Jahren versprach interessant zu werden, schließlich sollte das Schicksal der Bevölkerung – oder zumindest eines Jungen – in den Vordergrund gerückt werden. Vielleicht würden wir Fluchtbeweggründe, aber damit auch den Syrienkrieg besser verstehen. Also habe ich mir das Buch zur Rezension bestellt:

„Nach einer wahren Geschichte“ steht auf dem Buchrücken von Annabel Wahbas Jugendroman „Tausend Meilen über das Meer: Die Flucht des Karim Deeb“. Das Schlüsselwort ist „nach“. Denn während sich die Geschichte eingehend mit der Flucht eines syrischen Jungen aus Homs befassen möchte, sollte dem Leser klar sein, dass Karim, der in Wirklichkeit anders heißt, wie dem Nachwort zu entnehmen ist, das Buch nicht selbst geschrieben hat.

Verfasserin ist die ZEIT-Redakteurin Annabel Wahba, die Karim für das Buch interviewt hat. Karim lebt seit 2013 in Deutschland und ist über den Seeweg von Ägypten aus geflüchtet. Die beschwerliche Reise mit überfüllten Schiffen, zu wenig Essen und Trinken sowie gefährlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen wird im Buch ebenso beschrieben, wie der Eingewöhnungsprozess in Deutschland. Karim kann in Deutschland wieder zur Schule gehen und ist nicht ständig mit kriegerischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Dennoch ist sein Alltag nicht ohne Probleme. Eine Facebook-Nachricht, die ihm ein Mädchen mit einem Foto von sich mit nacktem Oberkörper geschickt hat, lässt Karim aufgrund zahlreicher Missverständnisse (er hätte das Bild in Umlauf gebracht), beinahe von der Schule fliegen. Dabei hat er Millie nie darum gebeten, das Foto zu machen, auf dem man zwar ihre Brüste, nicht aber ihr Gesicht sehen kann. Weitergeleitet hatte er es nur einer Klassenkameradin. Matija sollte ihm erklären, was die dazugehörige Nachricht „Ich will, dass du mir meine Unschuld nimmst“, zu bedeuten hätte. Danach hatte Karim das Bild sogleich gelöscht. Nicht, dass es noch sein strenger Onkel Amir finden würde! Offenbar hatte aber Matija, die Millie ohnehin nicht leiden kann, das Bild dann zirkulieren lassen.

Eigentlich mutet es seltsam an, dass Facebook Karim beinahe zum Verhängnis wird. Schließlich kennt er sich ganz gut mit dem sozialen Netzwerk aus:

In Palmyra verbrachte ich Stunden im Internetcafé, um Facebook-Seiten von Assad-Anhängern zu hacken. Sie verbreiteten falsche Nachrichten über die Lage in Homs und beleidigten die FSA [Freie Syrische Armee]. Ich habe diese Posts gelöscht oder die Seiten ganz geschlossen. Das Know-how dazu habe ich mir selber Stück für Stück im Internet beigebracht. Du musst als Hacker natürlich dafür sorgen, dass du nicht erwischt wirst. Ich legte mir für Facebook ein Pseudonym zu und veränderte mit ein paar Einstellungen am Rechner sowohl meine IP-Adresse als auch die Geräte-ID, sodass der Geheimdienst, der das syrische Netz überwacht, meinen Standort nicht ermitteln konnte.

Die Formulierung „nach einer wahren Geschichte“ ist eine juristische Absicherung der Autorin. Denn nicht alle im Buch vertretenen Charaktere (deren Namen auch geändert wurden), haben ihr Verständnis gegeben, darin vorzukommen. In einigen Fällen wäre es auch nur schwer oder gar unmöglich gewesen, dieses Einverständnis einzuholen. Freunde von Karim sind im Krieg  gestorben. Von anderen Bekannten und Verwandten ist nicht klar, wo sie sich aufhalten usw. Somit ist es für den Leser also unmöglich, das im Buch Geschriebene zu überprüfen. Es kann nur so, wie es niedergeschrieben wurde, hingenommen werden. Schließlich handelt es sich um einen Roman, der irgendwo zwischen Fiktion und Dokumentation anzusiedeln ist. Damit steht Karims Geschichte exemplarisch für einen syrischen Flüchtling. Uns wird erzählt, wie er die Geschehnisse in Syrien, Ägypten und schließlich in Deutschland wahrgenommen hat.

Frau Wahba hat sich bewusst dagegen entschieden, eine Dokumentation aus dem Buch zu machen. Als Leser sind wir daher aufgerufen, kritisch zu bleiben, bei allem Leid, dass Karim und anderen Flüchtlingen weltweit widerfahren ist und nach wie vor leider widerfährt – oder vielleicht gerade deswegen sollten wir kritisch bleiben. Schließlich tobt der Krieg in Syrien, aber auch in den nahe gelegenen Ländern Jemen, Irak, Libyen, Afghanistan etc. nach wie vor. Terrororganisationen haben bewusst Menschen nach Europa als „Flüchtlinge“ eingeschleust und damit das Leid der gebeutelten Bevölkerung für ihre Zwecke missbraucht. Der „Arabische Frühling“, ein Begriff, der zunehmende Proteste in einigen Ländern Nordafrikas und der arabischen Welt bezeichnet, ist vielerorts fehlgeschlagen. Was als Aufstand der Zivilbevölkerung gegen die Regierungen ihren Anfang nahm, kippte bald in militärische Auseinandersetzungen, die auch vor Einflussnahme von außen nicht geschützt waren. Hinzu kommen Hinweise, dass womöglich auch die Aufstände bereits von außen angestachelt wurden.

Annabel Wahba vermeidet jedoch bewusst, diese Kontexteinordnung ihrer Geschichte. Sie schaut nicht mit einem Weitwinkelobjektiv auf die Geschehnisse in Syrien (und anderen Ländern). Stattdessen bleibt es im Buch bei der Geschichte vom „syrischen Bürgerkrieg“, der auch im Buch vornehmlich als Kampf einer unterdrückten Bevölkerung gegen den „Diktator Baschar al-Assad“ porträtiert wird. Im Vordergrund stehen unterschiedliche Religionsgruppen (Sunniten/Wahabiten vs. Schiiten/Alawiten) – ein Glaubenskrieg. Nur am Rande wird Bezug genommen auf das „Aufbegehren“ in Libyen, auf die militärische Unterstützung von „Rebellen“ wie der Freien Syrischen Armee durch Saudi-Arabien. Dass Saudi-Arabien selbst alles andere als eine Demokratie ist, sondern im Gegenteil als Keimgrund für die extremistische Bewegung des Wahabismus gilt, wird dabei jedoch nicht erwähnt.

Annabel Wahba zieht es vor, eine sehr selektive Geschichte zu erzählen, die vieles auslässt bzw. im Ungewissen lässt und geht damit womöglich an dem selbst gesetzten Ziel „die Beweggründe für die Flucht“ verständlich zu machen und den Flüchtlingen „nahe zu kommen“ sowie „sich in ihre Lage zu versetzen“ vorbei.

So zeichnet das Buch ein Bild in Schwarz-Weiß: der Diktator Baschar al-Assad ist böse, die Rebellen – vor allem die Freie Syrische Armee – sind gut. Hinzu kommen die üblichen Klischees: Syrien ist ein muslimisches Land, die Frauen tragen alle Kopftücher und können großteils nicht schwimmen. Dabei ist Syrien ein säkulares Land, in dem es auch eine christliche Glaubensgemeinschaft gibt (auch in Karims Heimatstadt Homs). In Damaskus, der Hauptstadt, gibt es sogar Weihnachtsdörfer in der Adventszeit, die auch im letzten Jahr wieder die geschmückten Straßen zierten, nachdem es aufgrund des Kriegs im Land in den Jahren zuvor schwierig war, solche Feierlichkeiten einzurichten. Jedenfalls handelt es sich bei Syrien nicht um eine Theokratie per se (im Gegensatz etwa zum Königreich Saudi-Arabien). Der Diktator (dessen „Name nur heimlich ausgesprochen werden darf“) wurde im Jahr 2014 wiedergewählt und setzte sich dabei gegen eine Reihe von Kandidaten durch, während einige andere erst gar nicht zur Wahl standen. Die sogenannten Rebellen haben die Wahlen in den von ihnen kontrollierten Gebieten großteils boykottiert bzw. verhindert.

Die sogenannten Rebellen sind bewaffnete Gruppen und nicht einfach nur Oppositionsparteien. Sie werden sowohl von den USA, als auch von so „menschenfreundlichen“ Ländern wie Saudi-Arabien (hier lesen wir komischerweise nie „Diktatur“ oder „Gottesstaat“), mit Waffen, Munition und Söldnern versorgt. Von „moderat“, wie in vielen Medien zu lesen ist, kann also bei den Rebellen nicht die Rede sein. Stattdessen sind viele Mitglieder der Freien Syrischen Armee und anderen sogenannten Rebellengruppen zu ISIS bzw. Jabhat al-Nusra übergelaufen.

Doch von all dem erfahren wir im Buch nicht. Wir erfahren nicht, dass in Syrien weit mehr als „nur“ ein Bürgerkrieg tobt. Stattdessen will man uns weismachen, dass sich die Menschen in Libyen „wehren“. Seit das Land 2011 in einer US-amerikanischen angeführten Militäraktion unter anderem auch von europäischen Ländern zurück ins Mittelalter gebombt wurde (das lesen wir freilich wieder nicht), zählt das heute mehrfach geteilte Libyen zu den Failed States.

Die Autorin beharrt in einem von mir geführten Interview darauf, dass zum Zeitpunkt der Flucht, von 2011 bis 2013, nicht klar war, wie die Kräfteverhältnisse waren, wer, wen, wo, wie militärisch und finanziell unterstützt hätte. Die Mehrheit der Zivilbevölkerung wäre in der Annahme gewesen, es handle sich tatsächlich um ein internes Aufbegehren, nicht um einen extern angeführten Coup – weder in Libyen, noch in Ägypten oder Syrien. ISIS oder den Islamischen Staat hätte es zu dem Zeitpunkt in Syrien noch gar nicht gegeben. Dabei geht die Terrormiliz nachweislich auf al-Qaida (im Irak) zurück. Al-Qaida spielte eine Schlüsselrolle im Zweiten Irak-Krieg bzw. während des Dritten Golfkriegs ab 2003 und wurde zuvor, in den 1980er Jahren, vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützt. Heute hat sich ISIS weitestgehend von al-Qaida losgesagt bzw. wird als deren Nachfolgeorganisation gehandelt. Vor allem in den letzten Jahren hat ISIS häufig den Namen gewechselt. Laut Schätzungen (Stand 2015) stammt ein Großteil der IS-Kämpfer aus Tunesien, gefolgt von Saudi-Arabien, Jordanien, Marokko und der Türkei.

Wie es bereits im Irakkrieg ab 2001 nicht um Massenvernichtungswaffen ging (so viel ist heute bewiesen), ging es auch in Libyen nicht wirklich um solche und auch die notorischen chemischen Waffen (vieles deutet mittlerweile daraufhin, dass Rebellen Giftgas verwendet haben) in Syrien wirken blass angesichts eines womöglich für Staaten wie die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und Großbritannien viel wichtigeren Grunds: Öl.

Die reichen Ölvorkommen des Iraks und der Bedarf industrialisierter/westlicher Länder daran haben damals und auch bereits in der Vergangenheit am Golf für Krieg gesorgt. Dass die USA und Russland in einem Stellvertreterkrieg in Syrien den Kalten Krieg wieder aufwärmen, liegt also vielleicht auch am Öl?! Diese Zusammenhänge sind jedoch nicht nur in vielen Medienoutlets unterberichtet, sondern bleiben auch im Buch außen vor.

Schade, dass dadurch dem Buch jegliche politische Perspektive und jegliche bildende Funktion genommen wurde, indem man sich für den einfachen Weg entschieden hat, schlichtweg das aufs Papier zu bringen, was man eben von einer Quelle, Karim, erzählt bekommen hat. Mit dem Stempel „nach einer wahren Geschichte“ wird suggeriert, dass die Schilderungen im Buch den Fakten entsprechen. Obwohl Frau Wahba das Autorsein strikt vom Journalistensein getrennt sehen will, ist mir in der Recherche zumindest ein von ihr verfasster ZEIT-Artikel übel aufgestoßen, indem sie sich auf das umstrittene „Syrische Netzwerk für Menschenrechte“ beruft:

Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte, dessen Recherchen auch das US-Außenministerium für seine Länderberichte nutzt, führt eine Liste mit mehr als 65.000 Namen [von in Syrien verschwundener Menschen].

Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte, welches aus England von sage und schreibe einem einzelnen Mann geführt wird: Rami Abdul Rahman, einem bekannten Assad-Gegner, der lange nicht in seiner Heimat Syrien war und dementsprechend wenig über den Zustand der Menschenrechte dort wissen kann, gilt als unzuverlässige Quellen, die unter anderem auf Angaben, der ebenfalls umstrittenen Weißen Helme zurückgreift.

Alles in allem hinterlässt das Buch einen zwar einfühlsamen Eindruck von einem Einzelschicksal, jedoch mit einem bitteren Beigeschmack, der viele Fragen offen lässt und den informierten Leser zu Zweifeln anregt, wie ernstzunehmen das Niedergeschriebene tatsächlich ist. Das ist besonders schade, da dadurch das natürliche Mitgefühl für Flüchtlinge eher getrübt als verbessert wird – so geht es jedenfalls mir.

PS:

Und der „Faktencheck“ von SpiegelTV. Bildet Euch selbst eine Meinung:

Zusammenfassung

Ich bedanke mich bei LizzyNet für das gratis zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Die gemachten Angaben sind weder von LizzyNet, noch von der Autorin oder anderen beeinflusst worden und entsprechen meinen eigenen Ansichten.

Hierzu werde ich nicht länger schweigen

Seit 2011 macht der Syrienkonflikt oder -krieg die Nachrichten. Was täglich durch die Nachrichtenkanäle geschickt wird, macht betroffen und wirkt beängstigend. Anfangs hörten und lasen wir immer wieder von Fassbomben, die der Diktator auf seine eigene Bevölkerung werfe und von chemischen Waffen.

Das Aufregen war groß, doch schon bald meldeten sich auch andere Nachrichten zu Wort. Aufgrund seiner großen Reichweite gelangte hierbei zunächst der englischsprachige Sender Russia Today ins Visier der Kritik (mittlerweile auch mit deutschsprachigem Outlet), denn was hier kam, war ein Angriff auf vieles bisher Gehörte und Gelesene. Und das war natürlich unerhört.

Heute ist die Rede von Fake News und Falschmeldungen, die der „staatlich finanzierte“ oder „staatlich geförderte“ Sender RT verbreite. Bezieht man sich hingegen auf den ORF oder ARD, lese ich nie den Hinweis „staatlich geförderter Sender“. Das ist doch schon verwunderlich, aber heißt ja noch nichts. Fakt ist jedoch, dass RT kein Hehl darum macht, dass er staatlich gefördert wird. Ist ja auch nicht verboten. Immer wieder unterbreiten mir Sender wie der ORF oder das Magazin Spiegel „Faktenchecks“ zu verschiedenen Themen, die RT oder andere alternative Medien wie Press TV (Iran), Telesur (Lateinamerika/Venezuela), Truthdig, etc. berichtet haben.

Schauen wir uns also mal das Thema der chemischen Waffen an und nutzen am besten eine Quelle abseits von RT, um mir den Vorwurf der Voreingenommenheit oder Einseitigkeit zu ersparen.

Chemische Waffen und Syrienkrieg

2013 berichtete die Washington Times, das konservative Pendant zur liberalen Washington Post, dass wahrscheinlich Rebellen und nicht Assad chemische Waffen benutzt haben und berufen sich dabei auf eine UN-Quelle. Das Gleiche berichtet der britische Telegraph.

2013 war das Jahr, in dem ich begann, mich an ähnliche Vorwürfe gegenüber dem damaligen Diktator Saddam Hussein im Irak zu erinnern. Nicht chemische Waffen, sondern vor allem Massenvernichtungswaffen – das war damals das Wort in aller Munde. Dass Hussein Massenvernichtungswaffen besessen hat, war bekannt, verschiedene Länder hatten selbige in der Vergangenheit geliefert. Schließlich sollte der Irak als Bollwerk gegen den Iran dienen und gleichzeitig die damalige Sowjetunion aus Nahost fernhalten. Es ging bereits damals, darum Ölquellen zu sichern. Und mit „damals“ sind die frühen 90er und späten 80er Jahre gemeint.

Denn als Husseins Coup-Versuch im Iran fehlgeschlagen ist, hat er sich kurzerhand Kuwait zugewandt. Die US-Regierung war jedoch auf ein stabiles Kuwait angewiesen (Öl) und war mit der Aktion nicht einverstanden. Der erste Irak-Krieg wurde von George H. W. Bush, dem Vater von George W. Bush, gestartet. Einen humorvoller Blick auf diesen ersten großen Konflikt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es hier:

Am Ende des ersten Golfkriegs blieb Hussein – geschwächt – an der Macht. Doch der Krieg war damit nicht zuende. Wirtschaftssanktionen, die unter anderem auch die Einfuhr wichtiger Medikamente, verhinderten, forderten hunderttausende Opfer im Irak, darunter viele Kinder. Das berichtet 1995 die New York Times mit Berufung auf UN-Quellen.

Nach dem 11. September 2001 drohte dem Irak jedoch ein weiterer Krieg, zunächst war jedoch Afghanistan dran und das obwohl 15 der 19 Männer, die damals die Flugzeuge entführt hatten, aus Saudi-Arabien stammten, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer aus Ägypten und einer aus dem Libanon. Grund für den Irak-Krieg waren am Ende Massenvernichtungswaffen.

Die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, wie wir heute wissen und – wie die Bush-Regierung auch zugegeben hat. Trotzdem kommen auch Jahre später zuweilen Diskussionen auf. Es ist dann nur noch traurig, wenn ausgerechnet Partei-Kollege Donald Trump, darauf hinweisen muss, dass dem nicht so ist. Mehr dazu in der Huffington Post.

Bis heute sind offenbar wichtige Seiten des 9/11-Reports klassifiziert und weiterhin für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Frage, die allen unter den Nägeln brennt, ist: Hat die königliche Familie Saudi-Arabiens (hier lesen wir nie „Diktator“, doch das nur am Rande) die Flugzeugentführer unterstützt? Wenn dem so wäre, gäbe es eine direkte staatliche Verbindung zur Terroristengruppe Al-Qaida. Und schlimmer noch: War es nicht vielleicht von langer Sicht geplant, den Irak (und auch Syrien anzugreifen)?

Was hat das mit Syrien zu tun?

Während der Syrienkrieg oftmals als Religionskonflikt oder als Revolution einer aufbegehrenden Bevölkerung berichtet wird, schreiben andere Medien vom Stellvertreterkrieg (wie damals) zwischen den USA und Russland unter Beteiligung verschiedener Partner. Auf US-amerikanischer Seite sind da die NATO-Mitgliedsstaaten, aber vor allem britische, deutsche, französische, türkische sowie saudische und arabische Beteiligung, welche wiederum die Freie Syrische Armee und andere sogenannte Rebellen unterstützen (finanziell und/oder mit Waffen). Das lässt sich auch ganz frei und offen selbst auf Wikipedia nachlesen – genauso wie die Verbindungen zwischen Freier Syrischer Armee, Al-Qaida, al-Nusra und dem Islamischen Staat, gegen den die USA ja vorgeben zu kämpfen. Priorität hat jedoch stets das Abdanken Assads gehabt.

Auf der anderen Seite stehen die Russische Föderation, Syrien, Iran und seit neuestem auch die Türkei, die quasi die Seiten gewechselt hat. Unterstützt wird die russische Intervention von Serbien und Armenien.

Explodiert ist der Konflikt mit dem US-geführten Angriff auf Syrische Regierungstruppen, was zu einer Notfallsitzung im UN Security Council geführt hat.

Während Syrien kaum nennenswerte Ölquellen besitzt, ist das Land dennoch öltechnisch relevant. Und hier kommen wir nun also ganz zum Anfang zurück. 2009 verneinte Assad den Vorschlag eine Pipeline von Qatar durch das Land bauen zu lassen. Stattdessen sind nun neue Pläne auf dem Tisch, die vom Iran, Russland und anderen Ländern unterstützt werden, jedoch die königlichen Interessen unter anderem auch der Saudis massiv stören könnten. Mehr dazu hier. Daneben sind es nicht nur die Erdölquellen an sich, die in Nahost und Nordafrika gesichert werden sollen, sondern auch die Leitwährung Dollar. Nach wie vor wird Öl in Dollar gehandelt. Recht ausführlich wird das in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten beschrieben. Auch Gaddafi stellte die Vormachtstellung des Dollars als Leitwährung infrage. Laut öffentlich gewordenen, internen E-Mails zwischen Hillary Clinton und Sid Blumenthal plante Gaddafi eine panafrikanische Währung, die auf der libyschen Währung basieren sollte, diese wiederum sollte an den Gold-Standard geknüpft sein. Der Dollar hingegen ist seit 1973 nicht an einen solchen Realwert (Gold oder Silber) gebunden. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von „flexiblen Wechselkursen“, die wiederum nur dadurch halbwegs stabil bleiben, weil die entsprechende Weltmacht mit allen Mitteln an verschiedenen Stellschrauben dreht – und wehe, jemand stellt dieses Währungsmonopol infrage. Elmar Altvater schreibt hierzu in „Die Weltwährungskrise“ bereits 1969:

Während das Gold aufgrund der in ihm verkörperten Arbeit, d.h. aufgrund seines Eigenwertes, unabhängig von staatlicher Manipulation Weltgeld ist, sobald es als Zahlungsmittel benutzt wird, kann nationales Kreditgeld nur dadurch zu internationalem Geld werden, daß einerseits der entsprechende Nationalstaat durch seine ökonomische und politische Macht seine Währung als Weltgeld erzeugt, indem er sie exportiert und sie durch die Konvertibilitätsbestimmung garantiert und andererseits vom privaten Waren- und Kapitalverkehr der anderen Nationalstaaten die Währung als Weltgeld anerkannt wird, bzw. die Anerkennung durch koloniale Abhängigkeitsverhältnisse erzwungen wird.

Leiden müssen vor dem Hintergrund dieser Währungs-Energie-Krisen-Kriege Zivilisten – im Irak, in Syrien und im Jemen. Vor allem der Krieg im Jemen ist derzeit erschreckend unterberichtet, nicht zuletzt weil kaum Journalisten in das Land gelangen. Schuld an den Kriegen sind die Profitinteressen großer internationaler Unternehmen in der Öl- und Waffenindustrie, die hier politisiert werden. Doch bekommen wir diese Tour d’Horizon so in den alltäglichen Medien präsentiert? Nein. Hin und wieder, ja. Aber dann werden solche Ausnahmeartikel überschattet von Jubelhymnen wie diesen:

Netflix’s „The White Helmets“ takes home the company’s first Oscar win

Syria’s White Helmets Didn’t Get the Nobel. But Their Rescue Work Continues

Völlig unkritisch wird diese selbsternannte, nur scheinbar unparteiische Hilfsorganisation gefeiert, kein Wort davon, wer diese Organisation zu einem Großteil finanziert und dass offenbar Verbindungen zu Al-Qaida und Jabhat al-Nusra bestehen. Das erfahren wir eben doch nur in den alternativen Medien.